Jus-Studium: So hoch sind deine Berufschancen | Talto

Jus-Studium: So hoch sind deine Berufschancen

Von Karoline Wöhri · Veröffentlicht am 26. März 2020

Das Jus-Studium ermöglicht Absolvent*innen zahlreiche Berufschancen, hochdotierte Gehälter und Jobs in angesehenen Kanzleien – gebe es da nicht noch eine Kehrseite: die hohe Anzahl der jährlichen Jus-Absolvent*innen. Hier erfährst du welche Möglichkeiten dir nach dem Jus-Studium offenstehen und wie du trotz großer Konkurrenz deine Jobchancen steigern kannst.

Das Jus-Studium ist ein Massenstudium – das ist kein Geheimnis mehr. Die hohen Absolvent*innenzahlen sorgen unweigerlich für einen harten Konkurrenzkampf bei der Jobsuche – speziell für BerufseinsteigerInnen. Insbesondere am Beginn ihrer Laufbahn müssen Jurist*innen deshalb damit rechnen, in Bereichen tätig zu sein, die nicht unbedingt studienadäquat sind.

Möglichkeiten für Jus-Absolvent*innen gibt es aber immerhin genug – so können sie nach dem Studienabschluss zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung wählen. Natürlich steht ihnen nach dem Studium auch der Weg zu den juristischen Kernberufen wie Richter*innen, Staats- und Rechtsanwält*innen und Notar*innen offen. 

Wo arbeiten Jurist*innen?

Beim Ranking der beliebtesten Berufsfelder liegt der Rechtsanwaltsberuf an erster Stelle, dicht gefolgt vom öffentlichen Dienst. Das geht aus einer Befragung von über 400 Studierenden und Absolvent*innen der juristischen Fakultät Wien hervor. Am unbeliebtesten ist für die Befragten der Berufseinstieg in die Steuerberatung – nur 10% sehen ihre berufliche Zukunft in dieser Sparte. 

Doch in welchem Bereich haben Jurist*innen derzeit überhaupt Berufschancen? Chancen eröffnen sich für Jus-Absolvent*innen vermehrt in der Privatwirtschaft. Nicht nur weil die Nachfrage in anderen Sektoren stagniert, sondern weil mittlerweile zahlreiche Positionen eine Kombination aus betriebswirtschaftlichem und rechtlichem Know-how verlangen. Industrie, Banken und Versicherungen melden Bedarf an juristischer Expertise an. In diesen Bereichen bewegen sich Absolvent*innen jedoch im zweifachem Konkurrenzverhältnis – sie müssen nicht nur gegen andere Jurist*innen, sondern auch gegen Absolvent*innen mit wirtschaftlicher Ausbildung bestehen. Spezialisierungen bieten einen klaren Vorteil, sich positiv von der Konkurrenz abzuheben. Studierende sind somit gut beraten, wenn sie sich auf Themen- oder Branchen wie z.B. Finanz- und Bankenrecht, Arbeitsrecht, Europarecht oder Umwelt- oder Steuerrecht spezialisieren. 

Zusatzqualifikationen lohnen sich bei der Jobsuche für Jurist*innen

Neben Auslandserfahrungen werden besonders Sprachkenntnisse wenig gängiger Sprachen wie z.B. südosteuropäische Sprachen sehr gern in Lebensläufen gesehen. Viele Jus-Absolvent*innen wollen nach Studienabschluss in die Privatwirtschaft – bei Stellen mit Managementaufgaben sorgen betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikationen für Pluspunkte. Im Berufsalltag profitieren Jurist*innen mit Zusatz-Skills wie Mediation und Streitschlichtung, Verkaufstalent, wirtschaftlichem Verständnis sowie gute rhetorische Kenntnisse. Im Einzelfall können auch ausgefallenere Studienkombinationen – wie etwa Jus und Psychologie erfolgsversprechend sein z.B. in Personalabteilungen. 

Längere Studiendauer vs. gute Noten und Studienabschluss in Mindeststudienzeit

Nur 40% der Jus-Student*innen schließen ihr Studium in Mindeststudienzeit ab. Erwerbstätigkeit (52%) und hohe Leistungsanforderungen (60%) werden von Österreichs Studierenden als Hauptgrund für die Zeitverzögerung ihres Studiums genannt. Haben Absolvent*innen einen Nachteil, wenn sie ihr Studium nicht in Mindeststudienzeit abschließen?

Nein, sagt Christiane Bülow, Leiterin des Personalmarketings der Bank Austria Creditanstalt: „Es zählt die Gesamtqualifikation. Die entsteht nicht nur durch die Theorie im Studium, sondern auch über Praktika, Auslandssemester und Sprachreisen. Die verlängern schon einmal das Studium. Zu Recht. Es ist tatsächlich wichtiger, sich ein interkulturelles Know-how zu verschaffen, als das Studium auf dem schnellsten Weg zu Ende zu bringen.” 

Zukunftsprognose für Juristen-Jobs

Wie in sämtlichen anderen Jobs wird auch bei juristischen Stellenbeschreibungen die Ausrichtung internationaler, interdisziplinärer und digitaler. Themen wie Compliance, Risikomanagement, Corporate Governance und Ethik werden Jurist*innen in Unternehmen verstärkt beschäftigen. Das Thema Datenschutz wird für viele Unternehmen immer wichtiger und schafft neue Jobs. Bei allem Fachwissen zählen aber auch Soft Skills wie Empathie. Kompetente Jurist*innen müssen nicht nur mit Paragrafen, sondern auch gut mit Menschen umgehen können. Claus Staringer, Steuerberater bei Freshfields Bruckhaus Deringer, betont diesbezüglich: „Fachwissen ist nicht die Krönung, sondern die Grundlage. Es komme auf Fähigkeiten wie eine schnelle Auffassungsgabe an. Und das Können, aus großen Problemen kleine zu machen.”

 

 

 

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