Der Talto-Chancen-Check: Berufseinstieg Chemie | Talto

Der Talto-Chancen-Check: Berufseinstieg Chemie

Von Karoline Wöhri · Veröffentlicht am 23. März 2020

Chemie gehört zu den MINT-Fächern. Glaubt man Politik und Hochschulen, müssen sich Absolventinnen und Absolventen von MINT-Studienrichtungen keine Sorgen um Job- und Verdienstaussichten machen. Aber wie sieht es konkret mit der Studienrichtung Chemie aus? Welche Möglichkeiten haben Absolventinnen und Absolventen? Die Antworten liefert der Talto-Chancen-Check.

Das Akronym MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Studienrichtungen aus diesen Bereichen werden aktuell von der Politik und den Hochschulen massiv gefördert, um, wie auf der Website des Bildungsministeriums zu lesen ist, „dem aus wirtschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Sicht steigenden Bedarf an Absolventinnen und Absolventen des MINT-Bereichs Rechnung zu tragen“. Die Studienrichtung Chemie fällt in den Bereich Naturwissenschaften und gehört somit zu den MINT-Fächern. In einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) heißt es über das Ausbildungsfeld Chemie, die Zukunftsaussichten für Absolventinnen und Absolventen werden „überwiegend positiv betrachtet“.

Wo arbeiten ChemikerInnen?

Verantwortlich für diese positive Prognose sind zwei zentrale Herausforderungen unserer Zukunft: Klimawandel und demographischer Wandel. UmweltchemikerInnen, BiochemikerInnen und auch LebensmittelchemikerInnen sind für diese Fragestellungen vermehrt gefragt. Aber auch abseits dieser Zukunftsherausforderungen tun sich für Absolventinnen und Absolventen eines Chemiestudiums vielfältige Jobchancen auf. Hier ein paar Beispiele:

  • ChemikerInnen in der Industrie

ChemikerInnen sind in der Industrie sehr gefragt – dort sind sie z.B. in der Analytik, Qualitätssicherung, Prozessoptimierung und Verfahrenstechnik tätig. In der Industrie nehmen ChemikerInnen oft eine Schnittstellenfunktion ein und bilden sich dafür mit betriebswirtschaftlichen oder juristischen Lehrgängen fort.  Mit ihrem Wissen fungieren sie als Schlüsselposition zwischen Forschung und Marketing oder arbeiten im Produktmanagement. Für eine erfolgreiche Karriere in der Industrie sollte man auf alle Fälle bereit sein, auch im Ausland zu arbeiten.

  • ChemikerInnen in der öffentlichen Verwaltung 

In der öffentlichen Verwaltung üben ChemikerInnen zum Teil Überwachungs-, Kontroll- und Prüffunktionen aus, so wie es z.B. bei der Erstellung von Gutachten der Fall ist. Zudem nehmen sie eine Beratungsfunktion z.B. bei der Erlassung neuer Gesetze ein. 

  • ChemikerInnen in der Wissenschaft und Forschung

Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es auch außerhalb von Industrieunternehmen z.B. in öffentliche und private Untersuchungsanstalten mit den Schwerpunkten wie Lebensmittelchemie, Toxikologie, Pflanzenschutzmittel oder Kosmetika. Themen rund um den Klima- und Umweltschutz gewinnen dabei an steigender Bedeutung z.B. die Auswirkung von Chemikalien wie Pestizide, Pharmazeutika, Düngemittel etc. auf die Umwelt. Aufgrund der höheren Gehaltschancen erfolgt häufig ein Wechsel von öffentlichen Forschungseinrichtungen in die Industrie. 

  • ChemikerInnen im Patent- und Dokumentationswesen 

Im Patent- oder Dokumentationswesen unterstützen ChemikerInnen z.B. bei der Einführung von neuen Geräten bzw. Verfahren oder in der Medikamentenzulassung.

Erwerbstätigkeit von ChemikerInnen während dem Studium

Ob Chemie-Studierende während dem Studium bereits Berufserfahrung sammeln, hängt vom Fortschritt ihres Studiums ab. 29% der Bachelor-Studierenden gehen im Sommersemester einer Arbeit nach, jedoch haben nur 12% dieser Jobs eine Verbindung zum Studium. Dieses Bild wandelt sich bei Master-Studierenden: Im Master-Studium nutzen bereits knapp die Hälfte der Chemie-Studierenden das Sommersemester, um einer Arbeit nachzugehen. 29% dieser Jobs haben auch einen direkten Bezug zum Chemie-Studium. 

Ausbildungsgrad von Chemie-Studierenden: Master vs. PHD

Vergleicht man die MINT-Studiengänge untereinander, springt einem eine Kennzahl sofort ins Auge: die überdurchschnittlich hohe Anzahl der Übertrittsquote! Mehr als die Hälfte der Chemie-Studierenden (59%) nehmen nach ihrem Master-Studium ein Doktoratsstudium auf. Für angehende ChemikerInnen, die in der Forschung arbeiten wollen, ist der PHD meist unerlässlich. In anderen Arbeitsbereichen wie z.B. Marketing oder auch Anwendungstechnik ist der Doktortitel in vielen Fällen nicht zwingend notwendig. Berufschancen gibt es am österreichischen Arbeitsmarkt für Master- und PHD AbsolventInnen jedenfalls ausreichend, wobei sich der PHD Abschluss nochmals positiv auf das Gehalt auswirkt.  

Berufseinstieg von ChemikerInnen nach Studienabschluss

Viele ChemikerInnen arbeiten zuerst im Verkauf, in der Produktentwicklung oder im betrieblichen Umweltschutz. In größeren Industriebetrieben beginnen ChemikerInnen nach dem Studium zumeist als SachbearbeiterInnen im Bereich der Forschung und Entwicklung. Mit zunehmender Erfahrung und entsprechender betriebswirtschaftlichen und juristischen Grundkenntnissen ergibt sich oft ein Wechsel in die Bereiche Anwendungstechnik, Produktion, Planung, Projektierung oder Vertrieb.

Natürlich ist auch eine universitäre Laufbahn möglich. Dabei muss allerdings bedacht werden, dass dafür nicht immer Planstellen an Universitäten geschaffen bzw. nachbesetzt werden.

Top Branchen und Arbeitgeber für ChemikerInnen 

Als Top-Branche für ChemikerInnen gilt vor allem auch die heimische chemischen Industrie, die eng mit dem Ausland verflochten ist und viele EU-weite Schwerpunkte hat. Dazu zählen Arbeitgeber wie G.L. Pharma, Borealis, Henkel, Engel oder Asota.

Ähnlich lang wie die Liste der Berufsfelder im chemischen Bereich ist auch die Liste der potenziellen Branchen und Arbeitgeber. Neben der chemischen Industrie werden Chemiker z.B. auch in der Metall-, Lebensmittel-, Kunststoff-, Mineralöl- oder Lackindustrie gesucht. Dabei fällt auf – je nach Ausbildungsgrad variiert auch die Branche, in denen man Chemie AbsolventInnen arbeiten:

  • Bachelor: Herstellung von Waren (55%), Freiberufliche, wisschenschaftl. und technische Dienstleistung (26%), Erziehung & Unterricht (9%)
  • Master: Herstellung von Waren (50%), Freiberufliche, wisschenschaftl. und technische Dienstleistung (29%), Handel (9%)
  • Doktorat: Herstellung von Waren (38%), Freiberufliche, wisschenschaftl. und technische Dienstleistung (27%), Erziehung & Unterricht (9%)

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