Berufseinstieg Psychologie: Verspricht das Studium mehr als bloß teure Weiterbildungen? | Talto

Berufseinstieg Psychologie: Verspricht das Studium mehr als bloß teure Weiterbildungen?

Von Kerstin Wagner · Veröffentlicht am 10. April 2020

Seit Generationen beschäftigt uns die menschliche Psyche. Bereits Plato und Aristoteles waren vom menschlichen Verhalten und unseren Emotionen fasziniert. Diese Faszination spiegelt sich heute im Andrang auf das Psychologie-Studium wider. Laut Expert*innen kein Problem, denn der Bedarf an Psycholog*innen soll weiter steigen. Wie aussichtsreich Psychologie wirklich ist und welche Möglichkeiten dir offen stehen, beantwortet dir der Talto-Chancen-Check.

Sozialwesen, Wirtschaft oder doch Forschung? So sehen mögliche Berufsfelder aus:

Als Psychologe oder Psychologin steht dir ein sehr breites Tätigkeitsspektrum offen. Grundsätzlich darfst du Menschen psychologisch behandeln oder eine Arbeit, wie beispielsweise in der Forschung, antreten. Neben der Forschung eröffnen sich für dich Berufsmöglichkeiten im klinischen und Gesundheitsbereich, bei Beratungsstellen, im Erziehungs- und Bildungsbereich, in der Wirtschaft und im Personalwesen, in der Kommunikations-, Medien- und Werbebranche sowie in den Sparten Verkehr, Recht und Sport. Laut dem Absolvent*innen-Tracking der Universität Wien, finden sich Psycholog*innen 3 Jahre nach ihrem Studium vor allem in den folgenden Branchen wieder:

  • Sozialwesen: 29 %
  • Öffentliche Verwaltung (Justiz, Ministerien, etc.): 13 %
  • Gesundheitswesen (Krankenhäuser, Arztpraxen, etc.): 12 %
  • Erziehung und Unterricht (Universitäten, Schulen, etc.): 10 %
  • Alten- und Pflegeheime: 5 %

Bachelor oder doch lieber Master?

Um in Österreich eigenverantwortlich als Psychologe oder Psychologin zu arbeiten, ist ein entsprechender Masterabschluss eine Grundvoraussetzung. Ein erfolgreiches Bachelorstudium berechtigt dich nur zur Tätigkeit unter fachlicher Anleitung. Weiters ermöglicht dir ein Masterstudium, dass du einen bestimmten Schwerpunkt setzt. In der Regel stehen dir Bereiche wie Arbeits- und Organisationspsychologie, klinische Psychologie, Neurowissenschaften oder Beratung zur Auswahl – oft kannst du dir auch einen individuellen Schwerpunkt setzen. Ähnlich wie es bei Fachärzten und Fachärztinnen der Fall ist, kannst du dich nach deinem Master noch mit einer weiterführenden psychologischen Ausbildung, wie klinische Psychologie oder Gesundheitspsychologie, spezialisieren.

Berufliche Möglichkeiten, die du mit einem Bachelor in Psychologie anstreben kannst, ergeben sich vor allem in der freien Wirtschaft. So sind 8 % der Bachelor-Absolvent*innen in der Unternehmensführung und -beratung tätig. Damit du dich gegen die Konkurrenz aus BWL und anderen Studienrichtungen durchsetzen kannst, solltest du während des Studiums passende Praktika absolvieren und zielführende Nebenjobs anstreben.

Das verspricht der Arbeitsmarkt für Psycholog*innen

Der Andrang auf das Psychologie-Studium ist groß – trotzdem wird in Österreich laut dem AMS teilweise ein Mangel an Psycholog*innen beklagt. Eine Ursache hierfür liegt im wachsenden Anteil an ausländischen Studierenden, die nur zu einem geringen Teil in Österreich bleiben. Wie früher in Medizin gibt es mittlerweile auch in Psychologie einen großen Ansturm deutscher Studierender. Dies lässt sich durch die strengen Aufnahmekriterien in Deutschland erklären. An der Universität Innsbruck sind 79 % der Studienanfänger*innen Deutsche. Ein ähnliches Bild liefert die Uni Salzburg – nur in Wien und Graz sieht es anders aus. 

Im Bereich Sozialwesen rechnet man weiterhin mit einer Beschäftigungszunahme. Das liegt daran, dass durch die steigende Anzahl von Klient*innen mit sozialen Problemlagen (Suchterkrankungen, Armut, Verschuldung, etc.) gut qualifizierte Arbeitskräfte im Sozialwesen sehr gefragt sind. Dieses Berufsfeld wird jedoch stark von politischen Entscheidungen zur Gestaltung des Gesundheits-, Sozial- oder Unterrichtswesens beeinflusst. Eine besondere Zunahme verzeichnen auch arbeitsmarktnahe Tätigkeiten (beispielsweise die Betreuung von arbeitslosen Menschen). 

Weitere Wachstumsfelder sind die Psychotherapie sowie die Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie. In den letzten 20 Jahren ist die Beschäftigungszahl in diesen Bereichen kontinuierlich gestiegen. Im August 2017 waren 10.338 Gesundheitspsycholog*innen, 10.422 Klinische Psycholog*innen sowie 9.041 Psychotherapeut*innen zugelassen. In diesen Feldern nimmt der Anteil der freiberuflich Tätigen konstant zu. Es wird vermutet, dass diese Verschiebung mit dem stagnierenden Angebot an Arbeitsplätzen in Institutionen zusammenhängt.

Zusatzausbildungen und atypische Beschäftigungsverhältnisse: Endet der Berufseinstieg in einer Sackgasse?

Bei den oben genannten Wachstumsfeldern „Psychotherapie" sowie „Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie" handelt es sich um eigenständige Ausbildungen, die mit dem Psychologie-Studium per se nichts zu tun haben. Eine Psychotheurapeut*innen-Ausbildung ist auch für Nicht-Akademiker*innen zugänglich, währenddessen ist bei der postgraduellen Ausbildung in Klinischer Psychologie ein Psychologie-Studium vorausgesetzt. Dies bedeutet laut dem Psychologengesetz, dass Absolvent*innen in Österreich, die die Zusatzausbildung des Klinischen Psychologen und Gesundheitspsychologen nicht abgeschlossen haben, nicht selbstständig psychisch kranke Menschen untersuchen oder behandeln dürfen. Die postgraduelle Ausbildung umfasst einen über ca. 1 bis 2 Jahre dauernden theoretischen und praktischen Teil mit begleitender Supervision. Wie teuer diese Ausbildung werden kann und mit welchem Gehalt du demgegenüber rechnen kannst, erfährst du hier.

Für Psycholog*innen ist der Berufseinstieg oft mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen (eine Mischung aus Teilzeitanstellungen, Projektarbeit und Selbstständigkeit) verbunden. Diese nehmen allgemein unter Psycholog*innen zu. Auch im Bereich Forschung und Wissenschaft sind Psycholog*innen oft mit befristeten Verträgen konfrontiert. Daher ist von dieser Berufsgruppe Flexibilität, berufliche Mobilität und ein hohes Engagement gefragt.

Wie auch in anderen Bereichen, erfolgt der Berufseinstieg von Psycholog*innen über persönliche Kontakte, die beispielsweise bei Praktika oder Zusatzausbildungen geknüpft wurden. Oft kannst du auch in Tageszeitungen passende Stellenausschreibungen finden. Bei attraktiven Jobinseraten musst du mit großer Konkurrenz rechnen – teilweise bewerben sich darauf mehr als 200 Bewerber*innen. Daher erhöhen eine frühzeitige berufliche Orientierung, Praxiserfahrung, Weiterbildungsbereitschaft und Einsatzbereitschaft die Chancen auf einen zufriedenstellenden Job deutlich.

 

Admin Login