Gender Pay Gap: Gehaltsvergleich zwischen Männern und Frauen | Talto

Gender Pay Gap: Arbeit ist nicht gleich viel wert

/ von Jessica Braunegger
veröffentlicht am 12. Februar 2021

Kaum ein Gleichstellungsthema wird so breit diskutiert wie der Gender Pay Gap. Gleichzeitig gibt es zu kaum einem Thema so viele Missverständnisse. Wie wird der Gender Pay Gap berechnet? Wird Teilzeitarbeit berücksichtigt? In welchen Branchen ist die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen besonders drastisch? Wir erklären euch grundlegendes zum Gender Pay Gap und geben Tipps, was Berufstätige dagegen tun können.

Über den Begriff „Gender Pay Gap“ sind alle wahrscheinlich schon mal gestolpert. Er beschreibt das Phänomen, dass Männer und Frauen aufgrund ihres Geschlechts für ihre geleistete Arbeit unterschiedlich bezahlt werden. Dabei vergleicht man nicht die Gehälter einer Kassiererin und einem Manager, sondern die von Personen mit ähnlicher Ausbildung und ähnlichen Berufen.

Eine Frage der Berechnung

Besonders viele Missverständnisse gibt es, wenn es um die Berechnung des Gender Pay Gaps geht. Je nachdem, von welchem Grundwert ausgegangen wird, ist die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern mal größer, mal kleiner. 2018 betrug der Gender Pay Gap laut Eurostat in Österreich 20,4 Prozent. Um die Werte einzelner Länder vergleichbar zu machen, berechnet Eurostat den Gender Pay Gap EU-weit einheitlich. Dabei werden die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen in privatwirtschaftlichen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten verglichen. Durch die Berechnungsgrundlage aufgrund von Stundenlöhnen können sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitbeschäftigte gleichermaßen in die Statistik einfließen. 

Geht man von Jahresgehältern aus, sieht die Sache wieder anders aus. Dabei ist wiederum entscheidend, ob von Brutto- oder Nettojahresgehältern ausgegangen wird, und ob Teilzeitbeschäftigte inkludiert werden oder nicht. Für alle Interessierten: Die Statistik Austria hat zu allen Berechnungsarten umfassende Statistiken und erklärt auch, wie diese zustande kommen.

Wo ist der Gender Pay Gap besonders hoch?

Der Gender Pay Gap ist je nach Branche unterschiedlich hoch. Eine Aufstellung von Business and Professional Women Austria zeigt, dass die Gehaltsunterschiede bei Finanzdienstleitungen und im Erziehungs- und Unterrichtswesen mit 26 Prozent besonders hoch sind. Dicht dahinter sind Immobilienwesen, Energieversorgung und die Herstellung von Waren, wo Frauen ein Viertel weniger verdienen als ihre Kollegen. Bei Akademiker*innen ist die Gehaltsschere mit 18,3 Prozent zwar etwas niedriger, aber immer noch recht hoch.

Fun Fact: Es gibt sogar einen Bereich, in dem Frauen vom Gender Pay Gap begünstigt werden. Im Bergbau bekommen Frauen fünf Prozent mehr bezahlt als Männer. Allerdings sind Frauen in diesem Berufsfeld mit einem Anteil von 12,7 Prozent stark in der Minderheit.

Closing the gap

Die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen ist ein strukturelles Problem in unserer Gesellschaft, daher sind die individuellen Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, eher begrenzt. Es gibt aber trotzdem Dinge, die du tun kannst, um die Situation für dich und andere zu verbessern:

- Kenne deinen Wert! Wer den Wert der eigenen Arbeit nicht kennt, tut sich auch in Gehaltsverhandlungen schwer. Mit dem Lohn- und Gehaltsrechner des Frauenministeriums kannst du ganz leicht ausrechnen, ob deine Entlohnung fair ist oder nicht. Vor allem vor einem Bewerbungsgespräch solltest du dir darüber Gedanken machen, was du für deine Arbeit verlangen kannst.

- Über Geld reden! Es gehört in Österreich zwar nicht zum guten Ton, über Geld zu reden, aber genau das solltest du tun. Oft sind die Gehaltsunterschiede innerhalb von Unternehmen sehr hoch. Wenn du nicht weißt, ob deine Kolleg*innen mit ähnlicher Ausbildung und ähnlichem Tätigkeitsbereich viel mehr verdienen als du, kannst du auch nicht dagegen vorgehen und eine faire Bezahlung verlangen.

Je mehr Personen sich dieses Problems bewusst werden und versuchen, dagegen vorzugehen, desto schneller werden geschlechtsbezogene Gehaltsunterschiede aus der Welt geschafft. Schließlich sind unser Know-how und unsere Leistungen das, was im Beruf zählt – nicht unser Geschlecht.

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