Pädagogik? Und dann? – So sehen deine Karrieremöglichkeiten nach dem Studium aus | Talto

Pädagogik? Und dann? – So sehen deine Karrieremöglichkeiten nach dem Studium aus

/ von Kerstin Wagner
veröffentlicht am 4. Mai 2020
Studium
Studium

„Du studierst Pädagogik? Und, was machst du damit? Wirst du nun auch Lehrer*in?” Mit diesen Fragen wurde wohl schon fast jede angehende Pädagogin und jeder angehende Pädagoge konfrontiert. Und auch mit den Erweiterungen „Bildungswissenschaften” und „Erziehungswissenschaften” kann kaum jemand etwas anfangen. In welchen Bereichen wirst du als Pädagog*in nun wirklich gebraucht und was kannst du von deinem Berufseinstieg erwarten? Die Antworten haben wir im Talto-Chancen-Check für dich zusammengefasst.

Im Pädagogik-Studium, oft auch Erziehungs- oder Bildungswissenschaften genannt, dreht sich alles um die Themen Erziehung und Bildung. Darüber hinaus erhältst du einen Einblick über die Strukturen und Funktionen in unseren Bildungsinstitutionen. Pädagogik wird von vielen automatisch mit Kindern verbunden, jedoch unterstützen Pädagog*innen nicht nur in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen, sondern auch in der Erwachsenenbildung. Neben pädagogischen Themen werden dir auch Inhalte aus Psychologie, Philosophie und Soziologie begegnen. Was schließen wir daraus? Pädagog*innen werden in bildungsbezogenen Themen von allen Altersgruppen gebraucht und erlangen ein breites theoretisches Wissen. Wie sich das konkret auf deine möglichen Berufsfelder auswirkt, haben wir im Folgenden für dich zusammengefasst.

Wo arbeiten Pädagog*innen?

Ein Pädagogik-Studium qualifiziert dich für vielfältige Aufgaben in den Tätigkeitsfeldern Unterrichtswesen, Gesundheitswesen und Sozialwesen. Vor allem in diesen Berufsfeldern werden Pädagog*innen gebraucht:

  • Berufsbilder in der Lehrer*innenausbildung und der Vorschulerzieher*innenausbildung: Dazu zählt u.a. die Aus- und Weiterbildung von Lehrer*innen sowie die Entwicklung von Bildungsangeboten und die Begleitung Schulentwicklungsprozessen.
  • Berufsbilder in Wissenschaft, Forschung und universitärer Lehre: Zur universitären Lehre zählt die Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen sowie die Prüfung und Betreuung der Studierenden. In der Forschung arbeitest du u.a. Forschungspläne aus und organisierst Untersuchungen (z.B. Beobachtungen in Schulklassen oder Fragebogenerhebungen bei Lehrer*innen).
  • Berufsbilder in der Erwachsenenbildung und betrieblichen Ausbildung: Berufsmöglichkeiten gibt es in Bildungswerken, Volkshochschulen oder in Wirtschafts- und Berufsförderungsinstituten. Hierzu zählt auch die betriebliche Ausbildung und Berufspädagogik (Ausbildungsprogramme und Schulungen für Mitarbeiter*innen). 
  • Berufsbilder in Beratung und Sozialpädagogik: Dabei kannst du Personen bei Berufs- und Bildungsentscheidungen oder bei der Lösung von Lern- und Verhaltensproblemen unterstützen.
  • Berufsbilder im Schulwesen: Einige Pädagog*innen sind in der Schulverwaltung und -aufsicht im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) oder in den Landesschulräten tätig. 

Lehrer*in werden: Ist das als Pädagogik-Absolvent*in möglich?

Die Arbeit als Lehrer*in an Schulen zählt nicht zum klassischen Berufsfeld für Absolvent*innen eines universitären Pädagogik-Studiums. Für die Tätigkeit an Schulen ist ein dementsprechendes Lehramtsstudium die Voraussetzung. Wie oben erwähnt, arbeitest du jedoch häufig mit Lehrpersonen zusammen und unterstützt sie bei ihren Tätigkeiten.

Beschäftigungssituation: Beschäftigungszunahme im Sozial- und Unterrichtswesen

Ein Pädagogik-Studium ist aber nicht nur vielfältig – die Arbeit mit Menschen wird von den Studierenden und Absolvent*innen auch als sinnstiftend und erfüllend empfunden. Dass sich das Pädagogik-Studium auf Platz 4 der beliebtesten Studiengängen befindet, überrascht uns daher nicht. Rund 2.700 Studienanfänger*innen kann das Studium aufweisen – die Mehrheit davon sind Frauen. Das Studium stößt also auf großes Interesse – wie sieht es nun mit der Beschäftigungssituation aus?

Im Juni 2018 verzeichnete das Pädagogik-Studium 425 arbeitslose Akademiker*innen. Nichtsdestotrotz gibt es erfreuliche Aussichten: Im Sozial- und Unterrichtswesen wird bis 2020 mit einer Beschäftigungszunahme gerechnet. Eine große Personalnachfrage besteht in der Kinderbetreuung und in der Arbeit mit älteren Personen (Pflege, Betreuung, Beratung). Dies lässt sich durch den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und unsere alternde Gesellschaft erklären. Auch die steigende Anzahl an Klient*innen mit sozialen Problemsituationen (Suchterkrankungen, Verschuldung, Arbeitslosigkeit, etc.) führt zu einem erhöhten Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Weiters wächst die Nachfrage in der Erwachsenenbildung. Dich zieht es eher in die Privatwirtschaft? Viele Unternehmen suchen für ihre Personalabteilungen immer wieder nach Pädagog*innen, besonders für die Aus- und Weiterbildungsplanung.

Berufseinstieg von Pädagog*innen

Der Sprung in die Forschung ereignet sich oft schon während des Studiums (z.B. mit einer Stelle als studentische Hilfskraft in der universitären Forschung oder über Praktika in außeruniversitären Forschungsinstituten). Offene Stellen findest du oft in den Personalmitteilungsblättern der Universitäten, die auf den Websites der Universitäten abrufbar sind. Wenn du in Forschung und Wissenschaft, egal ob universitär oder außeruniversitär, tätig werden möchtest, musst du mit atypischen Beschäftigungssituationen rechnen. Dies lässt sich auf die Veränderungen unserer Arbeitswelt und die zunehmend projektbezogene Organisation von Forschungsarbeiten zurückführen. Erste Berufserfahrungen sammeln Absolvent*innen daher meist in befristeten Stellen, in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, als “Freie Dienstnehmer*innen” oder als “Neue Selbstständige” auf Werkvertragsbasis. Auch der Beratungsbereich und die Erwachsenenbildung sind durch atypische Beschäftigungsverhältnisse geprägt. Der Weg zur Festanstellung ist daher lang und schwierig. Die befristeten Arbeitsverträge führen in den ersten Berufsjahren auch zu einem häufigen Jobwechsel unter Pädagog*innen. Durch die langen Einschulungsphasen und das Einfinden in bestimmte Tätigkeitsbereiche brauchen Absolvent*innen oft drei bis fünf Jahre, bis sie sich an einem bestimmten Arbeitsplatz etabliert haben. Welche Aufstiegsmöglichkeiten sich für dich ergeben und welches Gehalt du erwarten kannst, erfährst du hier.

Die meisten Pädagogik-Absolvent*innen sind drei Jahre nach ihrem Bachelorabschluss im Sozialwesen (30 %), Erziehung und Unterricht (23 %) sowie in Alten- und Pflegeheimen (14 %) tätig. Bei Master-Absolvent*innen dreht sich das Bild folgendermaßen: 

  • Erziehung und Unterricht (36 %)
  • Sozialwesen (26 %)
  • Öffentliche Verwaltung (13 %)

Persönliche Kontakte, beispielsweise durch Praktika oder durch Abschlussarbeiten, sind für deinen Berufseinstieg sehr nützlich. Aus diesem Grund sind Pflichtpraktika im Studium als Vorbereitung zur beruflichen Qualifikation weit verbreitet. Im Bachelor absolvieren 88 % der Pädagogik-Studierenden ein Praktikum. Bei ausgeschriebenen Stellen wartet meist eine hohe Konkurrenz auf dich, da verwandte Studienrichtungen (Psychologie, Lehramtsstudien) und andere Ausbildungsarten (z.B. Sozialarbeiter*innen) mit dir konkurrieren können.

 

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