Lehramt im Talto-Chancen-Check | Talto

Lehramt im Talto-Chancen-Check

/ von Patrick Schlauer
veröffentlicht am 22. Juni 2020
Studium
Studium

Was möchtest du nach deinem Studium beruflich machen? Während Studierende geistes- oder wirtschaftswissenschaftlicher Fächer diese Frage meist sehr unterschiedlich beantworten, ist die Antwort für Lehramtsstudierende relativ klar: Ich werde Lehrer*in. Aber muss das immer so sein? Was für Chancen tun sich für Absolvent*innen eines Lehramtsstudiums abseits des Klassenzimmers auf? Und welche Spezialisierungen haben Zukunft? Wir haben das Lehramtsstudium dem Talto-Chancen-Check unterzogen und Antworten auf diese Fragen gefunden.

Wir alle kennen folgende Situation: Bei einer großen Familienfeier kommen nach längerer Zeit wieder einmal alle Verwandten zusammen und tauschen sich über ihre berufliche und private Situation aus. Jüngeren Familienmitgliedern, die sich mitten im Studium befinden, wird gern folgende Frage gestellt: Was möchtest du nach deinem Studium einmal beruflich machen? Während jene Familienmitglieder, die ein geistes- oder wirtschaftswissenschaftliches Fach studieren, diese Frage nicht so klar beantworten können, lehnen sich Lehramtsstudierende meist entspannt zurück. Ihr Berufsweg ist durch die Studienwahl relativ klar vorgezeichnet. Sie werden Lehrer*innen.

Vor der Inskription müssen sich die angehenden Pädagog*innen lediglich entscheiden, welche Altersgruppen sie unterrichten möchten. Jene, die sich für das Lehramt Primarstufe an einer Pädagogischen Hochschule entscheiden, führt ihr Weg später an eine Volksschule. Absolvent*innen des Lehramts Sekundarstufe können nach dem Studium an einer Universität oder Pädagogischen Hochschule an Allgemeinbildenden höheren Schulen, Neuen Mittelschulen, Sonderschulen, Polytechnischen Schulen oder Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen unterrichten. 

Der andere Weg in den Lehrer*innenberuf

Neben der „klassischen“ Lehramtsausbildung an Universitäten oder Pädagogischen Hochschulen gibt es noch einen anderen Weg, um Lehrer*in zu werden: Sollten für ein bestimmtes Schulfach zu wenig Lehrer*innen zur Verfügung stehen, können auch Quereinsteiger*innen mit entsprechender Berufserfahrung an Schulen tätig sein. Konkret müssen sie ein facheinschlägiges Studium im Ausmaß von mindestens 180 ECTS abgeschlossen haben und facheinschlägige Berufserfahrung von mindestens 3.000 Stunden vorweisen können. Die Quereinsteiger*innen müssen dann ein spezielles zweijähriges Masterstudium (120 ECTS) absolvieren, in dem sie – anders als im regulären Masterstudium – in nur einem Schulfach ausgebildet werden. Neben diesem offiziellen Weg gibt es noch die Möglichkeit eines Fellowships bei Teach for Austria. Die Initiative bringt Quereinsteiger*innen an österreichische Brennpunktschulen. Interessierte müssen ein Bewerbungsverfahren durchlaufen und werden anschließend in einer Sommerakademie auf den Unterricht an Neuen Mittelschulen oder Polytechnischen Schulen vorbereitet. Wie Studienergebnisse der Universität Duisburg-Essen zeigen, sind Quereinsteiger*innen fachlich und pädagogisch auf demselben Niveau wie ausgebildete Lehrer*innen. 

Nicht nur Geo und Mathe: Diese Fächervielfalt steht Lehrer*innen offen 

Während Volksschullehrer*innen alle Fächer (außer Religion, wenn der entsprechende Schwerpunkt im Studium nicht gewählt wurde) unterrichten, werden Absolvent*innen des Lehramtsstudiums Sekundarstufe in den Fächern eingesetzt, die sie in ihrem Studium kombiniert haben. An Neuen Mittelschulen kann es vorkommen, dass Lehrer*innen auch fachfremd unterrichten müssen. Neben den „Standardfächern“ wie den Sprachen oder den naturwissenschaftlichen Gegenständen gibt es zahlreiche weitere Unterrichtsgegenstände, die mit einer entsprechenden Ausbildung unterrichtet werden können. So bildet das Lehramtsstudium Sekundarstufe Berufsbildung für die Arbeit an Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen aus, die einen entsprechenden Schwerpunkt haben. Absolvent*innen sind dann beispielsweise Expert*innen für Ernährung, Information und Kommunikation, Technik oder Inklusive Pädagogik. Auf der Website der Pädagogischen Hochschule Steiermark findest du eine Übersicht über Lehramtsstudien, die für den Unterricht abseits der klassischen Gegenstände ausbilden. Mit welchen Unterrichtsfächern du aktuell gute Chancen hast, einen Job zu finden, erfährst du in diesem Blogpost.

Abseits des Klassenzimmers

Auch wenn das Lehramtsstudium darauf abzielt, Lehrer*innen für den Schuldienst auszubilden, ist es keine Einbahnstraße. Wer nach seinem Studium nicht im Klassenzimmer arbeiten möchte, hat mit seiner Ausbildung noch andere Möglichkeiten. In folgenden Bereichen können Absolvent*innen eines Lehramtsstudiums auch tätig sein:

  • Erwachsenenbildung (z. B. Volkshochschule, Abendschule)
  • Verlage für Schulbücher und Lehrmittel
  • Kinder- und Jugendeinrichtungen (z. B. Jugendzentren)
  • Lernberatung
  • Bildungstechnologie/EdTech (z. B. Mitarbeit an Bildungs-Apps)

Natürlich gibt es auch in anderen Berufsfeldern Möglichkeiten für ausgebildete Lehrer*innen. Diese Möglichkeiten unterscheiden sich je nach gewähltem Unterrichtsfach im Studium. So haben z. B. Absolvent*innen des Lehramtsstudiums Unterrichtsfach Deutsch Chancen, in einem Medium oder Verlag unterzukommen. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen in den einzelnen Berufsfeldern und den sehr individuellen Karriereverläufen lassen sich hierüber allerdings keine pauschalen Aussagen treffen.

Medienkompetenz: Zukunftstrend im Lehrer*innenberuf

In anderen Bereichen wie dem Wirtschafts- oder dem IT-Sektor ist der Arbeitsalltag einem ständigen Wandel unterworfen und passt sich Trends und Innovationen quasi in Echtzeit an. Obwohl das Bildungswesen nach anderen Regeln funktioniert, lassen sich auch im Bildungsbereich so etwas wie Zukunftstrends erkennen. Einen dieser Trends möchten wir stellvertretend herausgreifen und näher beleuchten: Medienkompetenz. Wie es im Grundsatzerlass Medienerziehung aus dem Jahr 2014 heißt, umfasst Medienkompetenz „neben der Fertigkeit, mit den technischen Gegebenheiten entsprechend umgehen zu können, vor allem Fähigkeiten, wie Selektionsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Strukturierungsfähigkeit und Erkennen eigener Bedürfnisse“. Es geht darum, Kindern und Jugendlichen den Umgang mit (neuen) Medien näherzubringen und sie auf ein digitales Zeitalter vorzubereiten. Medienkompetenz soll laut dem Grundsatzerlass des Bildungsministeriums in allen Gegenständen und Schulstufen vermittelt werden. Ein eigenes Schulfach gibt es (noch) nicht. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass andere Länder in dieser Hinsicht mutiger sind. Der Schweizer Lehrplan 21 empfiehlt beispielsweise ein eigenes Schulfach „Medien und Informatik“. Großbritannien, Polen oder die Slowakei haben Medien und Informatik in ihre Lehrpläne integriert. Auch wenn es in Österreich kein eigenes Unterrichtsfach dafür gibt, wird es für Lehrer*innen zunehmend wichtiger werden, Medien zu verstehen, diese entsprechend in den Unterricht zu integrieren und sich mit den digitalen Lebenswelten ihrer Schüler*innen auseinanderzusetzen. Aus- und Weiterbildungen in diese Richtung (Lehramt Sekundarstufe Berufsbildung Fachbereich Information & Kommunikation (Angewandte Digitalisierung) oder Medienkompetenz und Digital Literacy) gibt es bereits. 

Du hast dein Studium abgeschlossen und möchtest erfahren, wie deine Jobchancen sind und wie viel du verdienst? In unserem Blogpost Lehramt: Jobaussichten und Gehalt haben wir alle wissenswerten Daten über deine Chancen nach dem Lehramtsstudium für dich zusammengefasst. 

 

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