Germanistik: Nun sag, wie hast du’s mit der Karriere? | Talto

Germanistik: Nun sag, wie hast du’s mit der Karriere?

/ von Patrick Schlauer
veröffentlicht am 15. April 2020
Studium
Studium

Trotz sinkendem Arbeitsmarkttrend rangiert Germanistik auf den vorderen Plätzen im Ranking der beliebtesten Studiengänge. Rund 4.000 Studierende widmen sich aktuell der deutschen Sprache und Literatur, obwohl in Stellenanzeigen kaum explizit nach Germanist*innen wird. Macht ein Germanistik-Studium aufgrund der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation also überhaupt Sinn? Im Talto-Chancen-Check beschäftigen wir uns mit dieser komplexen Frage und fassen zusammen, was du über die Berufsfelder und Karriereperspektiven von Germanist*innen wissen musst.

Als Wissenschaft von der deutschen Sprache und Literatur gehört Germanistik zu den Geisteswissenschaften, die, wie Daten der Statistik Austria zeigen, mit rund 9.000 Abschlüssen jährlich die meisten Absolvent*innen an österreichischen Universitäten hervorbringen. Geisteswissenschaftliche Fächer behandeln die kulturellen und geistigen Errungenschaften der Menschheit, also zum Beispiel Sprache, Kunst, Philosophie oder Literatur. Die Germanistik, die an manchen Universitäten auch unter dem Namen „Deutsche Philologie“ geführt wird, beschäftigt sich konkret mit Phänomenen der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft sowie der Mediävistik, der Wissenschaft der deutschen Sprache und Literatur im Mittelalter. Im Gegensatz zum Lehramtsstudium Deutsch fehlt im Germanistik-Curriculum die pädagogische Komponente. Germanist*innen tauchen stattdessen tiefer in die Materie ein und erwerben umfassende Kenntnisse, um die deutsche Sprache, Texte und Literaturgattungen im Hinblick auf historische Entwicklungen und aktuelle Fragestellungen fundiert zu analysieren und wissenschaftlich zu bearbeiten. Schon allein die Definition der Disziplin lässt vermuten, was Studien und Medienberichte bestätigen: Der Bedarf am Arbeitsmarkt für Germanist*innen und Germanisten ist überschaubar. Wie schnell du als Absolvent*innen nach deiner Studienzeit einen Job findest und welches Einstiegsgehalt du erwarten kannst, erfährst du hier.

Dass Unternehmen in ihren Stellenanzeigen nicht explizit nach Absolvent*innen eines Germanistik-Studiums suchen, heißt allerdings nicht, dass es keine Jobs für dich gibt. Im Gegensatz zu Medizin, Jus oder den MINT-Fächern bildet dich dein Germanistik-Studium nicht für ein einziges oder einige wenige Berufsfelder aus. „Germanist*innen sind Generalisten“, bringt es das Alumniportal Deutschland auf den Punkt. Gerade weil das Germanistik-Studium auf keinen bestimmten Berufsweg vorbereitet, bietet es dir nach dessen Abschluss eine Vielzahl an Karriereperspektiven. Wer als Germanistik-Absolvent*in beruflich erfolgreich sein möchte, muss allerdings Flexibilität beweisen und bereit sein, sich rasch neues Wissen anzueignen.

Wo arbeiten Germanist*innen?

Wie schon angedeutet wurde, kann diese Frage nicht pauschal beantwortet werden. Die Palette an Berufsfeldern für Absolvent*innen eines Germanistik-Studiums ist bunt und breit gefächert. Während das Berufsfeld Germanistik selbst nur im Bereich der Forschung und Lehre an Universitäten existiert, gibt es für Absolvent*innen eine Reihe anderer Tätigkeitsbereiche, die man im ersten Moment nicht sofort mit Germanistik in Verbindung bringen würde. In folgenden Berufsfeldern sind deine Kenntnisse als Germanist*in gefragt:

  • Journalismus/Medien (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Online-Medien)
  • Kommunikation (Marketing, Public Relations)
  • Lektorat, Verlagswesen und Buchhandel
  • Bibliotheks- und Archivwesen
  • Kulturpolitik, -verwaltung und -vermittlung

Potentielle Arbeitgeber für Germanist*innen sind also unter anderem Medienhäuser, Kommunikationsagenturen, Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken oder Kultureinrichtungen. Mittlere und größere Unternehmen verfügen in der Regel über Kommunikationsabteilungen, in denen ebenfalls textsichere und sprachlich versierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt sind. 

Darüber hinaus besteht für Germanist*innen auch die Möglichkeit einer freiberuflichen bzw. selbstständigen Tätigkeit (zum Beispiel als Werbetexter*in, Autor*in, Kommunikationstrainer*in). 

Zusatzqualifikationen und Spezialisierung

Um in den erwähnten Branchen Fuß zu fassen, ist es empfehlenswert (und manchmal sogar erforderlich), Zusatzqualifikationen zu erwerben. Da das Germanistik-Studium sehr allgemein gehalten ist, werden die einzelnen Fachkenntnisse aus den vielfältigen Berufsfeldern nicht oder nur in Ansätzen behandelt. Absolvent*innen müssen diese Kenntnisse selbst erwerben, indem sie Zusatzausbildungen oder facheinschlägige Praktika absolvieren. Im Idealfall gelingt das noch während der Studienzeit. Vor allem Medien- und Kommunikationsunternehmen sind in der Regel gerne bereit, Studierenden Praktika zu ermöglichen. Wer später in der Kulturverwaltung oder -vermittlung tätig sein möchte, sollte schon vor Abschluss der Ausbildung Praxiserfahrung im Rahmen einer freiberuflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit im Kultursektor sammeln.

Generell wird Germanist*innen empfohlen, sich auf eine Branche oder einen Tätigkeitsbereich zu spezialisieren. In einer stark fragmentierten Berufswelt sind Expert*innen gefragt, die mit ihrem Fachwissen glänzen können. Die Digitalisierung und die mit ihr einhergehenden Innovationen sorgen dafür, dass laufend neue Berufsfelder entstehen, auf die du dich als Germanistik-Absolvent*in spezialisieren kannst.

Berufsfelder mit Zukunftspotential

Die innovationsgetriebene Kommunikationsbranche bietet dir mit entsprechenden Zusatzqualifikationen vielfältige Chancen, dich auf Berufsfelder (z. B. Corporate Communications, Social-Media-Marketing) oder einzelne Tätigkeitsbereiche (z. B. Info-Grafiken, Facebook-Werbeanzeigen) zu spezialisieren. Wie die Corona-Krise gezeigt hat, ist Krisenkommunikation im Bedarfsfall unerlässlich. Eine Zusatzausbildung in diesem Bereich könnte für Germanist*innen ebenfalls interessant sein. Auch im Medienbereich liegt großes Zukunftspotential, wenngleich offene Stellen für Journalist*innen im Vergleich zur Kommunikationsbranche eher rar sind. Nichtsdestotrotz wird es in den nächsten Jahren Expert*innen im Umgang mit Sprache brauchen, wenn es darum geht, Fake News zu erkennen und komplexe Themen wie Kriege oder Gesundheitskrisen verständlich aufzubereiten. 

Du hast ein abgeschlossenes Germanistik-Studium und bist auf der Suche nach dem perfekten Job oder Praktikum? Wirf regelmäßig einen Blick auf unsere Karriereplattform. Mithilfe der praktischen Suchfunktion findest du dort im Handumdrehen die Jobs, die zu dir und deiner Ausbildung passen.

 

 

 

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