Gehalt Psychologie: Teure Zusatzausbildungen nach dem Studium – Lohnt sich die Psychologie? | Talto

Gehalt Psychologie: Teure Zusatzausbildungen nach dem Studium – Lohnt sich die Psychologie?

/ von Kerstin Wagner
veröffentlicht am 28. April 2020
Studium
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Die meisten Studierenden wählen ihren Fachbereich nach Interessen aus. Dies gilt besonders für die Psychologie: Für viele ist es ein Traum, sich im Beruf mit Fragen zum menschlichen Verhalten, der gesunden Entwicklung von Menschen sowie mit krankhaften Abweichungen beschäftigen zu können. Doch bietet das Studium der Psychologie auch einen Weg in die finanzielle Sicherheit? Und ist dieser Weg aufgrund unvermeidbarer Zusatzausbildungen langwierig und teuer? Alle Antworten findest du hier.

Bei einer Sozialerhebung gaben 95 % der Studierenden an, ihr Studium aufgrund ihrer Interessen gewählt zu haben. Demgegenüber sahen nur 47 % ein hohes Einkommen als wichtigstes Kriterium. Allerdings muss man im Bereich Psychologie je nach Beschäftigungsfeld (beispielsweise in der klinischen Psychologie) ziemlich tief in die Tasche greifen. Klinische Psycholog*innen müssen nach ihrem Psychologie-Studium noch eine entsprechende postgraduelle Ausbildung anschließen. Eine solche Ausbildung kann mehrere Jahre dauern und einiges an Geld kosten (in der Regel muss diese Ausbildung selbst finanziert werden).

Die Frage aller Fragen: Was verdienst du in der Psychologie?

Dein Gehalt hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann durchaus unterschiedlich ausfallen. Neben deiner Qualifikation und Berufserfahrung, sind die Branche, Unternehmensgröße und Region wesentliche Einflussfaktoren. Das Einstiegsgehalt bei Psychologen liegt laut dem AMS durchschnittlich bei 2.740 € bis 2.930 € brutto.

Betrachtet man die verschiedenen Berufsfelder in der Psychologie, kannst du laut dem AMS Karrierekompass folgende Gehälter erwarten:

  • Klinische Psychologie: 2.850 € bis 3.130 €
  • Neuropsychologie: 2.850 € bis 3.130 €
  • Schulpsychologie: 2.740 € bis 2.900 €
  • Gesundheitspsychologie:  2.740 € bis 2.900 €

Grundsätzlich gilt: Als Psychologe oder Psychologin mit eigener Praxis oder in der Wirtschaft verdienst du mehr, als wenn du in einer Praxis oder Klinik angestellt bist. Mit einer eigenen Praxis hast du zwar ein höheres Berufsrisiko und Ausgaben, allerdings ist ein monatliches Einkommen von bis zu 6.000 € möglich.

Nach dem Studium bedeutet meist vor der Zusatzausbildung

Nach dem Master heißt es für die meisten fertigen Psycholog*innen, dass sie kostspielige Zusatzausbildungen und unbezahlte Praktika absolvieren müssen, um auf dem Arbeitsmarkt Chancen zu haben. Willst du beispielsweise in Österreich als klinischer Psychologe oder klinische Psychologin arbeiten, brauchst du ein abgeschlossenes Psychologie-Studium (Master oder Magister) und eine postgraduale Ausbildung. Diese Ausbildung umfasst einen über ca. 1 bis 2 Jahre dauernden theoretischen und praktischen Teil mit begleitender Supervision. Laut Veronika Holzgruber, Vizepräsidentin des Berufsverbands für Psychologen (BÖP), ist die Anzahl der Praxisstunden durchaus in einem Jahr schaffbar, das hänge vom Dienstverhältnis ab. Die Praxisstunden werden von Theorieblöcken, Fallstudien und Projektarbeiten begleitet, die oft das Ausmaß von Masterarbeiten haben. An der Universität Graz umfasst die postgraduelle Ausbildung 3 Semester mit 54 ECTS. Die Kurskosten betragen 4.960 € (inkl. Zulassungs- und Prüfungsgebühren, exkl. Selbsterfahrung und Supervision). Ergänzt man diesen Betrag noch um die kostenpflichtigen Einheiten an Selbsterfahrung, ergibt sich in Summe eine finanzielle Belastung zwischen mindestens 7.810 € und 8.220 €.

Zusatzqualifikationen & Weiterbildung: So steigen deine Karrierechancen

Durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen und der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen steigen deine Jobchancen stark. Dabei musst du dich nicht zwingend auf die Psychologie versteifen – ähnliche Fachbereiche halten auch spannende Zusatzqualifikationen bereit. Beispiele dafür sind:

  • Pädagogik
  • Gesundheitswissenschaft
  • Sozialarbeit

Zieht es dich nach deinem Psychologie-Studium eher in die Wirtschaft, sind auch wirtschaftliche Fachkenntnisse von großem Vorteil, um dich gegenüber BWL-Absolvent*innen durchsetzen zu können.

Jobaussichten: Psychische Belastungen innerhalb der österreichischen Bevölkerung nehmen zu

Auch wenn sich das Psychologie-Studium großer Beliebtheit erfreut und die Abschlussquote dementsprechend hoch ist, hängen die Berufsaussichten besonders vom Fachbereich ab. Das weiß auch Prof. Dr. Michael Krämer: „Die Arbeitslosigkeit ist bei Psychologen sogar noch niedriger als bei anderen Akademiker*innen und die Nachfrage nach Psychologen und Psychologinnen steigt in den letzten Jahren." Die erhöhte Nachfrage lässt sich durch eine Zunahme von psychischen Belastungen innerhalb der Bevölkerung erklären. Wissenschaftliche Umfragedaten zeigen: Im Laufe eines Jahres hat jeder fünfte Mensch in Österreich eine psychische Erkrankung wie Depression oder Angststörung. Insgesamt sind sind 1,2 Millionen Österreicher*innen von einer psychischen Erkrankung betroffen. Auch das Absolvent*innen-Tracking der Universität Wien liefert beruhigende Nachrichten: Im Durchschnitt nehmen Absolvent*innen 2 Monate nach Abschluss die erste Erwerbstätigkeit auf. 

In welchen Berufsfeldern du als Psycholog*in gefragt bist und was du dir von deinem Berufseinstieg erwarten kannst, haben wir im Blogpost "Berufseinstieg Psychologie: Verspricht das Studium mehr als bloß teure Weiterbildungen?" für dich zusammengefasst.

 

 

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