Berufsfelder und Arbeitsmarkt Pharmazie: Das musst du über deinen Berufseinstieg in der Apotheke, Industrie & Co wissen | Talto

Berufsfelder und Arbeitsmarkt Pharmazie: Das musst du über deinen Berufseinstieg in der Apotheke, Industrie & Co wissen

/ von Kerstin Wagner
veröffentlicht am 11. Mai 2020
Studium
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„Bei Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Die Ansprechperson für gesundheitliche Probleme zu werden und gleichzeitig die Herstellung und Wirkung von Medikamenten zu beherrschen und zu verstehen, ist für viele junge Talente ein Traum. Nicht sehr verwunderlich, denn der Beruf als Apotheker*in zählt zu den vertrauenswürdigsten Berufen in Österreich. Kann der Pharmazie-Traum zu einem Albtraum werden und etwaige Risiken für deinen Berufseinstieg bergen? Die Antworten liefert der Talto-Chancen-Check.

Ob klassisch in der Apotheke, in der Industrie oder Forschung – das Spektrum an Berufsfeldern ist breit

Ganze 92 % der österreichischen Bevölkerung bringen gegenüber Apotheker*innen bei gesundheitlichen Problem vollstes Vertrauen auf. Nur der Feuerwehr schenken Österreicher*innen noch mehr Glauben. Daher ist es nicht weit hergeholt, dass der Beruf des Apothekers und der Apothekerin zu den beliebtesten Beschäftigungsfeldern für Pharmazie-Absolvent*innen zählt. Zu deinen Hauptaufgaben in der Apotheke zählen die Abgabe, Prüfung, Lagerung und Beschaffung von Arzneimitteln sowie die Beratung von Patient*innen. Als Pharmazie-Absolvent*in stehen dir neben dem klassischen Beruf eines Apothekers oder einer Apothekerin eine Vielzahl von Beschäftigungsfeldern offen. Beispiele dafür sind:

  • Pharmazeutische Industrie
  • Pharmazeutische Forschung und Lehre 
  • Krankenhausapotheken
  • Gesundheitsbehörden 
  • Öffentliches Sanitätswesen 
  • Umweltschutz 
  • Suchtgiftanalytik 
  • Kontrolllaboratorien
  • Ernährungswissenschaften 
  • Pharmazeutischer Großhandel 

Die Pharmaindustrie wird unter Pharmazie-Absolvent*innen immer beliebter. Erklären lässt sich dies durch die breiten Aufgabenfelder und die vielversprechenden Gehaltschancen, die wir hier für dich zusammengefasst haben. Ganz allgemein beschäftigst du dich in der Pharmaindustrie mit der Herstellung, Prüfung, Optimierung und Verbreitung von Medikamenten. Wenn du dich in der pharmazeutischen Industrie nicht vorrangig mit der Forschung befasst, kannst du Aufgaben im Marketing oder Vertrieb übernehmen und als Pharmareferent*in bzw. Pharmavertreter*in in Apotheken und Kliniken neue Produkte vorstellen. Wenn es dich eher in die pharmazeutische Forschung und Entwicklung zieht, bestehen berufliche Möglichkeiten an Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und bei großen Pharmakonzernen. 

Beschäftigungssituation: Großer Ansturm von Absolvent*innen auf Apotheken

„In Relation zur Landesgröße ist die pharmazeutische Industrie in Österreich riesig“, sagt Alexander Herzog, Pharmig Generalsekretär. „Rund 18.000 hochqualifizierte Arbeitskräfte sind direkt in der Pharmaindustrie beschäftigt. Die Pharmabranche zählt hierzulande zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen.“ 

Die Aufteilung zwischen Absolvent*innen in der Industrie oder Apotheke sieht folgendermaßen aus: Ungefähr 6 % der Pharmazeut*innen finden in der pharmazeutischen und chemischen Industrie einen Arbeitsplatz. Mit mehr als 85 % arbeitet ein weitaus größerer Anteil der Pharmazie-Absolvent*innen nach ihrem Studium in einer öffentlichen Apotheke. Davon gibt es in Österreich eine Menge (Stand 31.12.2019): Rund 1.380 öffentliche Apotheken stehen uns zur Verfügung. Zudem nehmen 31 Filialapotheken die Versorgung der Bevölkerung wahr. Verteilt auf 266 österreichische Krankenhäuser findet man darüber hinaus 42 Krankenhausapotheken. Dies hat zur Folge, dass rund 95 % der Österreicher*innen innerhalb von 10 Minuten eine Apotheke erreichen.

Sinkende Einnahmen bei gleichzeitig mehr Aufgaben und steigenden Kosten – vor dieser Herausforderung sehen sich Apotheken. Fast jede dritte heimische Apotheke befindet sich laut der KMU Forschung Austria in der Verlustzone. Der zunehmende wirtschaftliche Druck auf Apotheken hinterlässt auch am Arbeitsmarkt Spuren. Im Dezember 2019 standen 83 offenen Posten 202 stellenlose Apotheker*innen gegenüber.

Einfühlungsvermögen und das gute G’spür: Frauenpower in Österreichs Apotheken

Der Anteil der Frauen in Apotheken ist in den letzten 20 Jahren stark gestiegen. 86,7 % aller angestellten Apotheker*innen sind Frauen und bereits jede zweite Apotheke wird von einer Frau geleitet. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: In Apotheken werden Frauen und Männer gleich entlohnt. Weiters lässt sich durch die moderne Teilzeitregelung eine gute Vereinbarung von Familie und Beruf gewährleisten. Bereits 81,4 % der Beschäftigten arbeiten freiwillig in Teilzeitdiensten. Damit beweisen Apotheken, dass Teilzeitjobs nicht automatisch etwas mit Billigjobs zu tun haben müssen.

Akademischer Grad: Reicht der Bachelor in Pharmazie?

Bis zum Wintersemester 2015/2016 erfolgte das Pharmazie-Studium als Diplomstudium. Durch die Reformierung des Hochschulwesens (Bologna Prozess) ist das Diplomstudium auf das zweistufige Bologna-System mit Bachelor- und Masterstudium umgestellt worden. Vorwiegendes Ziel des Bachelorstudiums ist es, auf ein fachlich relevantes Masterstudium vorzubereiten. Nur der Masterabschluss in Pharmazie berechtigt dich zur Ausübung der Tätigkeit als Apotheker*in. Danach ist es (wie bisher) möglich, ein Doktorats- bzw. PhD-Studium anzuschließen. Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), bestätigt: „Meistens ist ein Master Voraussetzung, in vielen Bereichen auch eine Promotion.” Promovieren lohnt sich für dich besonders, wenn du an einer Karriere in der Pharmaindustrie interessiert bist. Dort werden verstärkt Pharmazeut*innen mit Promotion gesucht. Was du darüber hinaus noch wissen solltest: FH-Absolvent*innen mit pharmazeutischem Wissen sind laut dem AMS Berufslexikon dem Mag.pharm. bei der Arbeit in der Apotheke nicht gleichgestellt und daher in erster Linie in pharmazeutischen und Biotechnologie-Unternehmen, in der Forschung und im Labor tätig.

Aspirantenjahr, Aufstiegsmöglichkeiten & Co: So sieht der Berufseinstieg für Pharmazeut*innen aus

Im Anschluss an die universitäre Ausbildung absolvieren Pharmazie-Absolvent*innen noch das Aspirantenjahr, da dies die Voraussetzung für die Ausübung des Berufs als Apotheker*in darstellt. Die Anzahl an Aspirant*innen steigt seit 2013 jährlich und umfasst im Jahr 2019 293 Personen. Um diese Aspirant*innenstelle solltest du dich bereits einige Monate vor Abschluss deines Studiums bemühen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Stellenvermittlung der Pharmazeutischen Gehaltskasse. Anstellungen in einer Krankenhausapotheke sind eher schwer zu finden. Solche Stellen werden entsprechend dem Ausschreibungsgesetz veröffentlicht. Dies gilt auch für andere Stellen im öffentlichen Dienst. 

Im Durchschnitt sind rund 4 Apotheker*innen in einer Apotheke beschäftigt. Dies führt dazu, dass es für die Mehrheit der berufstätigen Apotheker*innen keine typischen Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Wenn du fünf Jahre als vertretungsbefugter Apotheker oder vertretungsbefugte Apothekerin gearbeitet hast, kannst du dich selbstständig machen. Das bedeutet, dass du eine eigene Apotheke eröffnen kannst oder die Leitung einer bereits bestehenden Apotheke übernehmen kannst. Unter allen Apotheker*innen machen dies nur rund 25 %, der Rest befindet sich in einem Angestelltenverhältnis. Übliche Aufstiegsmöglichkeiten findest du in Krankenhausapotheken, im öffentlichen Dienst und in der Pharmaindustrie.

 

 

 

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