Berufseinstieg VWL: Ökonomisch und beruflich hochspannende Zeiten für Volkswirt*innen? | Talto

Berufseinstieg VWL: Ökonomisch und beruflich hochspannende Zeiten für Volkswirt*innen?

/ von Kerstin Wagner
veröffentlicht am 20. Juli 2020
Studium
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Finanzblase, Bankenkrach, Schuldenkrise und Arbeitslosigkeit – wir leben in ökonomisch hochspannenden Zeiten. Es gäbe noch tausend weitere Motive für junge Talente, sich in die Volkswirtschaftslehre zu vertiefen. Wie groß der Andrang auf das Studium tatsächlich ist und ob der Berufseinstieg für VWL-Absolvent*innen eine einfache Sache darstellt, beantwortet dir der Talto-Chancen-Check.

Die Welt durchleidet seit Jahren eine ökonomische Achterbahnfahrt – im Jahr 2020 wird die österreichische Wirtschaft erneut durch die Corona-Krise auf die Probe gestellt. Diverse Medien prophezeien, dass die Corona-Pandemie Österreich heuer in eine Rezession stürzen solle. Österreich müsse sich daher auf einen BIP-Rückgang von sieben Prozent einstellen. Interessante Themen gibt es für Volkswirt*innen allemal. Werfen wir gleich einen Blick auf die Beliebtheit des VWL-Studiums: Im Studienjahr 2018/2019 gab es 361 VWL-Studierende im ersten Semester. Der große Bruder „BWL” weist im Vergleich 869 Studierende auf. Was genau dich nun in einem VWL-Studium erwartet und welche Unterschiede es zur BWL aufweist, erfährst du in den folgenden Zeilen.

Steuersysteme, Mindestlöhne & Co: Das erwartet dich im VWL-Studium

Die Volkswirtschaftslehre gehört, wie die Betriebswirtschaftslehre, zu den Wirtschaftswissenschaften und untersucht ökonomische Gesetzmäßigkeiten im Einzelnen (Mikroökonomie) und im Gesamten (Makroökonomie). Allgemein lässt sich sagen, dass sie sich mit dem komplexen Zusammenspiel von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft beschäftigt. Dabei werden unter anderem folgende Fragen beantwortet:

  • Welche Auswirkungen hat Arbeitslosigkeit auf eine Volkswirtschaft?
  • Wie entstehen Wirtschaftskrisen?
  • Welches Steuersystem hat die meisten Vorteile?
  • Brauchen wir einen Mindestlohn?
  • Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit auf Märkten Wettbewerb herrscht?

Welche Unterschiede gibt es nun zur BWL: In der VWL beschäftigst du dich mit der Wirtschaft einer Gesellschaft, währenddessen erforschst du in der BWL Abläufe in einzelnen Betrieben. Dennoch werden in der Studieneingangsphase auch Grundlagen der BWL (wie etwa in Rechnungswesen oder Marketing) vermittelt. Warum dieser BWL-Bezug so wichtig ist, zeigen dir folgende Fakten zum Arbeitsmarkt von Volkswirt*innen.

Arbeitsmarkt heute und morgen: Hier werden VWL-Absolvent*innen gebraucht

Die Hauptaufgaben von Volkswirt*innen liegen in der Beurteilung, Untersuchung und Vorhersage gesamtwirtschaftlicher Prozesse und Handlungen und in der Planung und Gestaltung von wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Für diese Aufgaben werden VWL-Absolvent*innen besonders in folgenden Bereichen gesucht:

  • Finanzdienstleister*innen (neben wirtschaftspolitischen Prognosen, Länderanalysen und Ländervergleichen übernehmen Volkswirt*innen hier vor allem Aufgaben der betrieblichen Information)
  • Forschungsinstitute (Auseinandersetzung mit Problemen und Fragestellungen anhand wissenschaftlicher Methoden, beinhaltet beispielsweise die Literaturrecherche und Literaturanalyse sowie das Verfassen wissenschaftlicher Texte, Vorbereitung und Abhaltung von Lehrveranstaltungen)
  • Öffentlicher Dienst (dort kannst du beispielsweise als Referent*in in Ministerien, Verwaltungsleiter*in in Krankenhäusern, in statistischen Ämtern oder als wissenschaftlicher oder wissenschaftliche Mitarbeiter*in an Universitäten arbeiten)
  • Konzerne (mit makro-ökonomischen Abteilungen)

Der Arbeitsmarkt für Volkswirt*innen ist im Vergleich zu den großen betriebswirtschaftlichen Tätigkeitsbereichen eher klein. Nur ein Prozent der beschäftigten Wirtschaftswissenschaftler*innen arbeitet im Unterbereich „Volkswirtschaft”.* Die hohen Absolvent*innenzahlen in den sozial-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Studien verschärfen die Situation deutlich. Doch keine Sorge: Da im VWL-Studium meist auch grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse gelehrt werden, stehen dir auch andere Stellen offen. Die Übergänge zwischen volks- und betriebswirtschaftlichen Tätigkeiten sind inzwischen fließender geworden. Einige Volkswirt*innen weichen daher in anwendungsorientierte Beschäftigungsbereiche der Wirtschaft aus. Um am Arbeitsmarkt hervorzustechen, kannst du dir natürlich betriebswirtschaftliches Zusatzwissen aneignen, welches über das Gelernte im Studium hinausgeht. Dies gilt vor allem dann, wenn du später in einem Unternehmen tätig werden möchtest. Welche Zusatzqualifikationen dich sonst weiterbringen und welches Gehalt du nach deinem VWL-Studium erwarten kannst, erfährst du hier.

Berufsfelder mit hohem Zukunftspotenzial können etwa in der Gesundheitsökonomie (z.B. Kostensenkung in den Sozialversicherungen), der Umweltpolitik, dem Bildungsbereich (Forschung, Planung, Management) sowie in Finanzdienstleistungsunternehmen (etwa länderspezifische Risikoanalysen im Zuge von Investments, Transaktionen und Sanierungen) vorhanden sein. Die Beratung in EU-Fragen könnte dem Bedarf an Volkswirt*innen in den nächsten Jahren ebenso einen Aufschwung geben.

Berufseinstieg von Volkswirt*innen

Wenn du gerne in die Forschung möchtest, solltest du dich schon während des Studiums um eine Stelle als studentische Hilfskraft in der universitären Forschung umsehen oder Praktika in außeruniversitären Forschungsinstituten absolvieren. In Forschung und Wissenschaft sind atypische Beschäftigungssituationen keine Seltenheit. Absolvent*innen müssen ihre ersten Erfahrungen daher oft in beispielsweise zeitlich befristeten Stellen sammeln.

In allen anderen Bereichen erfolgt der Berufseinstieg meist informell über persönliche Kontakte. Der wichtigste Ratschlag für die Zeit während deines Studiums ist daher: Knüpfe bereits während der Studienzeit potenziell ertragreiche Kontakte. Dies ist allerdings leichter gesagt als getan, denn Praktika in VWL sind schwerer zu bekommen als in Betriebswirtschaft. In Banken oder bei den Kammern ergeben sich jedoch öfters Möglichkeiten für Berufseinsteiger*innen. Darüber hinaus können die nebenberufliche Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten (z.B. EU-geförderte Projekte) deinen Berufseinstieg unterstützen. Fortgeschrittene Studierende können im Rahmen von Datenauswertungen und Forschungsarbeiten in Wirtschaftsforschungsinstituten die volkswirtschaftliche Theorie in die Praxis umsetzen.

 

* Daten zu Volkswirtschaftslehre in Österreich sind leider nicht oder nur spärlich vorhanden. Um ein grobes Bild von der Arbeitsmarktsituation zu zeichnen, stützen wir uns zum Teil auf Ergebnisse aus Deutschland.

 

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