Berufseinstieg Soziologie: Ein Studium mit vielen Berufsmöglichkeiten? | Talto

Berufseinstieg Soziologie: Ein Studium mit vielen Berufsmöglichkeiten?

/ von Kerstin Wagner
veröffentlicht am 24. Juni 2020
Studium
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Unsere Gesellschaft ändert sich rasant und kein anderes Studium beschäftigt sich so intensiv mit dieser Entwicklung als die Soziologie. Ein „Freizeit- oder Spaßstudium” ist die Soziologie somit sicher nicht mehr. Trotzdem sind Unklarheiten über die eigenen Berufsmöglichkeiten unter Soziolog*innen stärker verbreitet als bei Studierenden anderer Studienrichtungen. Du fragst dich, ob der Arbeitsmarkt für dich eine rosige Zukunft verspricht und in welchen Bereichen du als Soziolog*in durchstarten kannst? Diese Fragen räumt der Talto-Chancen-Check für dich aus dem Weg.

Kurz und knackig: Soziolog*innen interessieren sich für Menschen. Egal, ob bei der Arbeit, in Schulen, beim Sport oder sogar auf Tinder – Soziolog*innen beobachten das soziale Handeln, sprechen mit Menschen, erkennen Muster und ziehen Schlussfolgerungen. Im Studium lernst du darüber hinaus Daten zu analysieren, schnell auf veränderte Bedingungen zu reagieren und Lösungsstrategien zu entwickeln. Um dieses Wissen über Menschen herzustellen, brauchst du oft Methoden der empirischen Sozialforschung. Das hört sich doch sehr vielversprechend an. Um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, haben wir im Folgenden die Berufsfelder, Beschäftigungssituation und die Aussichten für deinen Berufseinstieg in Soziologie zusammengefasst.

Von der Forschung bis hin zum Personalmanagement: Hier bist du als Soziolog*in gefragt

Da für Soziolog*innen kaum fest etablierte und eindeutige Berufsbilder bestehen, eröffnet sich für dich eine breite Palette an Berufsmöglichkeiten. In den folgenden Bereichen bist du als Soziolog*in sehr willkommen:

  • In der wissenschaftlichen Forschung (an Hochschulen, staatlichen Forschungseinrichtungen oder privaten Forschungsinstituten, z.B. Wahlprognosen, Hochrechnung bei Wahlen, Bildungsforschung, Migrationsforschung)
  • Bei Markt- und Meinungsforschungsinstituten
  • In Lehre und Unterricht (z.B. in der Erwachsenenbildung)
  • In der öffentlichen Verwaltung (z.B. in der Sozialarbeit oder Jugendhilfe, bei Stadtplanungsämtern, bei Bundes- und Länderministerien, amtliche Statistik)
  • In Unternehmen (z.B. im Bereich Personalwesen, Aus- und Weiterbildung, Statistik und Marktforschung)
  • Im Kultur- und Medienbereich (Hörfunk, Fernsehen, Online-Medien, Verlage, etc.)

Data Scientist: Neuer Trendjob für Soziolog*innen 

Ein relativ neues Berufsfeld für Soziolog*innen ist die Arbeit als Data Scientist. Unternehmen und Institutionen benötigen immer häufiger Personen, die große Datenmengen aufbereiten und analysieren können. Stichwort: Big Data. Auch wenn man als Studienbackground eines Data Scientists eher Mathematik, Statistik oder Informatik erwartet, sind Soziolog*innen dank ihrer fundierten Statistik-Ausbildung sowie durch ihre Kenntnisse in empirischer Sozialforschung gut für diesen Beruf geeignet. Welche Jobchancen sich für dich als Soziolog*in im „Sexiest Job of the 21st Century” ergeben, erfährst du hier.

Beschäftigungssituation für Soziolog*innen

Vergleicht man die Soziologie mit anderen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtungen, ist die Zahl der Soziologie-Absolvent*innen pro Jahr relativ klein. Von den fast 4.200 Studienabschlüssen im Bereich der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften kommen jährlich ca. 770 Absolvent*innen von einem Soziologie-Studium. Trotzdem übersteigt die Anzahl der Soziologie-Absolvent*innen den Bedarf am Arbeitsmarkt. Da für Soziolog*innen keine eigenständigen Berufsfelder bestehen, ist die Konkurrenz aus den eigenen Reihen und aus benachbarten Fächern (z.B. Sozioökonom*innen, Betriebswirt*innen, Volkswirt*innen, Psycholog*innen, Publizist*innen) sehr groß. Das zeigt sich auch beim Berufseinstieg. 

So kann dein Berufseinstieg als Soziolog*in aussehen

Absolvent*innen geisteswissenschaftlicher Fächer brauchen länger, um beruflich Fuß zu fassen. Dies zeigte auch eine Studie der Universität Wien: Bei Bachelor- und Masterabsolvent*innen in Soziologie beträgt die Dauer bis zur ersten Erwerbstätigkeit durchschnittlich 3 Monate. Kolleg*innen aus dem Bereich Informatik und Kommunikationstechnologie brauchen hingegen weniger als ein halbes Monat, um ihren ersten Job anzutreten. 

Die große Konkurrenz ist nur ein Grund dafür. Auch die unklaren Berufsfelder für Soziolog*innen hinterlassen ihre Spuren – beispielsweise in den Stellenanzeigen. Das bestätigt auch das AMS: In Stellenanzeigen wird selten explizit nach Soziolog*innen gesucht. Thomas Wychodil vom Akademiker*innenzentrum (Akzent) erklärt: „Anders als bei Lehrern oder Medizinern gibt es kein klassisches Berufsbild. Das bildet sich erst am Arbeitsmarkt heraus.“ 

Möglichkeiten für Absolvent*innen gibt es sehr wohl – sie wissen oft nur nicht darüber Bescheid. „Branchen, in denen sie vor allem landen, seien Unternehmenskommunikation, Werbung oder Erwachsenenweiterbildung”, ergänzt Wychodil. Man geht davon aus, dass diese Bereiche in den nächsten Jahren weiter wachsen.

In welchen Branchen sich Soziologie-Absolvent*innen 3 Jahre nach dem Studienabschluss sonst noch wiederfinden, zeigt eine Studie der Universität Wien:

  • Öffentliche Verwaltung (Justiz, Ministerien, etc.): 16 %
  • Sozialwesen: 9 %
  • Werbung und Marktforschung: 8 %
  • Unternehmensführung und -beratung: 5 %

„Hinsichtlich der beruflichen Einsatzmöglichkeiten sind vor allem jene Absolventen gefragt, die sich in Sozialforschung auskennen oder Praktika gemacht haben“, sagt Markus Hadler, Leiter des Instituts für Soziologie an der Universität Graz. Durch die vermehrt projektbezogene Organisation einiger Tätigkeitsbereiche (z.B. Forschung, Erwachsenenbildung) musst du bei deinem Berufseinstieg jedoch oft mit atypischen Beschäftigungssituation (zeitlich befristete Stellen, etc.) rechnen. Welches Gehalt du als Soziologie-Absolvent*in erwarten kannst und welche Skills deinen Kontostand verbessern, erfährst du hier.

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