Berufseinstieg Architektur: Auf diese Jobchancen kannst du bauen | Talto

Berufseinstieg Architektur: Auf diese Jobchancen kannst du bauen

/ von Kerstin Wagner
veröffentlicht am 29. Mai 2020
Studium
Studium

Ein cooles Gebäude nach dem nächsten planen und etwas Einzigartiges in der Welt hinterlassen: Architektur ist für viele junge Talente ein Traumjob. Die Zahl der Architektur-Studierenden ist rapide gestiegen – jedoch auch die Drop-Out-Quote. Klaffen zwischen dieser Wunschvorstellung und der Realität tatsächlich Welten? Wo Architekt*innen gebraucht werden, was der Arbeitsmarkt verspricht oder ob es sich wortwörtlich nur um einen Beruf mit „vielen Baustellen“ handelt, erfährst du im Talto-Chancen-Check.

Die Skyline von New York durch ein eigenes Gebäude zu perfektionieren – das war der Traum von Ted Mosby, den er als Hauptfigur der Kultserie „How I Met Your Mother“ nachgehen durfte. Derzeit starten rund 1.000 Personen in das erste Semester (55 % Frauen und 45 % Männer) – größtenteils mit ähnlichen Intentionen. Sie wollen einen Platz in dieser kreativ-künstlerischen Szene finden und ein Teil von großen Bauprojekten werden. So zählt die Architektur zu einem der Massenfächer an technischen Universitäten. Christian Kühn, Dekan der TU Wien, weiß hierzu Genaueres: „Wir verlieren drei Viertel der Studenten massiv in den ersten beiden Jahren, danach flacht die Kurve ab.” Den hohen Zahlen im ersten Semester stehen rund 445 Master-Absolvent*innen gegenüber. Erklärung dafür liefert der sogenannte „Mosby-Effekt“. Dabei handelt es sich um die verfälschte mediale Darstellung von Architektur, die dazu beitrage, dass das Studium derart boomt.  Ob der klassische Architektentraum beim Berufseinstieg von Absolvent*innen tatsächlich zerplatzt, haben wir im Folgenden für dich zusammengefasst. 

Wo arbeiten Architekt*innen?

Die Architektur lässt sich in folgende Bereiche unterteilen: Die klassische Architektur von Gebäuden, die Stadtplanung, die Innenarchitektur und die Landschaftsarchitektur. Als Architekt*in wirst du gestaltend, technisch und wirtschaftlich tätig. Neben dem Entwurf und der Gestaltung von Bauwerken sowie der Ausarbeitung von Bauplänen, beschäftigst du dich mit der Einleitung der Bauausführung, der Überwachung des Baufortschritts und der Beratung und Betreuung von Auftraggeber*innen.

Typische Berufsfelder für Architekt*innen sind:

  • Objekt- und Projektentwicklung
  • Bauaufsicht und Bauleitung
  • Entwurfs- und Wettbewerbsverantwortung
  • Baumanagement für Bauherren
  • Forschung und Entwicklung
  • Selbstständige Architektentätigkeit nach Ablegung der Ziviltechniker*innenprüfung

Beschäftigungsmöglichkeiten findest du in Ingenieur- und Architekturbüros, Planungsbüros, Baufirmen, Baumeisterbetrieben sowie mit einer freiberuflichen Tätigkeit und im öffentlichen Dienst.

Gesetzlich geschützter Berufstitel „Architekt*in“

Ein abgeschlossenes Diplom- oder Masterstudium in Architektur macht aus dir – rein formal – noch keinen Architekten oder keine Architektin. Diese Bezeichnung wird erst durch die Ziviltechniker*innenprüfung und dem Absolvieren von drei Praxisjahren nach dem Studienabschluss erlangt.

Beschäftigungssituation: Schwierigkeiten trotz Aufschwung in der Bauwirtschaft

Im Jahr 2016 verzeichnete die Bauproduktion in Österreich nach mehreren schwachen Jahren wieder einen deutlichen Aufschwung. Ebenso wies der Bereich Hochbau, welcher knapp drei Viertel des Gesamtvolumens ausmacht, ein Wachstum auf. Für 2020 prognostizieren Wirtschaftsforscher*innen die Entwicklung der österreichischen Bauwirtschaft mit einem jährlichen Wachstum von ca. 1,5 %. Man möchte fast meinen, dass solange viel gebaut wird, man immer irgendwo Architekt*innen braucht. 

Trotzdem gestaltet sich die Arbeitsmarktsituation für Architekt*innen besonders bei ihrem Berufseinstieg als schwierig. Die Ursache liegt vor allem darin, dass es eine hohe Anzahl an Bewerber*innen für offene Stellen gibt. Im Juni 2018 lag die Zahl der arbeitslosen Akademiker*innen in Architektur bei 671. In Wien kommen laut dem WKO-Fachkräfte-Radar beispielsweise auf 8,3 offene Stellen 138,3 arbeitslos gemeldete Personen. Und auch die Konkurrenz schläft nicht: Aktuell gibt es in Österreich ca. 3.400 Architekt*innen mit ausübender Befugnis.

Berufseinstieg von Architektur-Absolvent*innen

Über Stellenangebote finden Absolvent*innen sehr selten einen Job. Schriftliche Bewerbungen sind großteils für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst (Bund, Länder, Städte) vorausgesetzt. Gelegentlich unterstützen Professor*innen durch ihr breites Netzwerk bei der beruflichen Eingliederung von Absolvent*innen. Die meisten Absolvent*innen finden über persönliche Kontakte, die durch praktische Tätigkeiten während des Studiums entstanden sind, eine Beschäftigung. Da die Architektur eine praxisbezogene Disziplin ist, solltest du freie Gelegenheiten (Ferien, etc.) bestmöglich nutzen und viel Praxiswissen sammeln. Darüber hinaus können dir diese Tipps deinen Berufseinstieg erleichtern:

  • Besuche regelmäßig Baustellen – eine gute Anlaufstelle dafür ist das Haus der Architektur (HDA).
  • Gehe mit offenen Augen durchs Leben: Die meisten Detaillösungen mit denen du dich im Büro beschäftigst, wurden irgendwo schon mal gebaut. Wenn möglich: Anschauen, Fotos machen und durchdenken.
  • Manchmal hilft es auch, wenn du deine Entwürfe deiner Familie oder Freunden zeigst, die nichts mit Architektur zu tun haben.

Wie bereits erwähnt, gibt es eine große Anzahl an Bewerber*innen für offene Stellen. Bis 2022 wird allerdings damit gerechnet, dass die Beschäftigungszahlen in Architektur stabil bleiben. Durch die zunehmende Arbeitsteilung und Spezialisierung in der Architektur, finden Absolvent*innen vermehrt eine Beschäftigung als unselbstständige Mitarbeiter*innen in Architektur- und Planungsbüros. Oft sind sie auch als Freelancer*innen oder „Neue Selbstständige“ auf Werkvertragsbasis beschäftigt, was allerdings den Erwerb von anrechenbaren Praxiszeiten erschwert.

Wenn du dich in einer Angestelltenposition befindest, ist ein beruflicher Aufstieg nicht immer möglich, da die meisten Architekturbüros in Österreich Kleinbüros sind. „Kleine Büros leiden natürlich besonders unter unerwartetem Verlust von Aufträgen beispielsweise durch Verzögerungen oder politische Änderungen“, sagt die Grazer Architektin Bettina Dreier. Aufgrund dieser schwankenden Auftragslage müssen Berufseinsteiger*innen oft mehrmals ihren Arbeitsplatz wechseln. Oft musst du zu Beginn deiner Karriere in Architekturbüros ähnliche Tätigkeiten ausüben wie HTL-Absolvent*innen. Dadurch bist du anfangs für viele von dir ausgeführten Tätigkeiten (konstruktiv-technischer Bereich, Kalkulation, Ausführungsplanung) überqualifiziert.

Die meisten Architektur-Absolvent*innen verstehen unter „Karriere machen“ die Möglichkeit, dass sie ein eigenes Büro eröffnen, nachdem sie die Ziviltechniker*innenprüfung erfolgreich absolviert haben. Und auch andere Aufstiegschancen sind möglich: Beispielsweise in einer Position als Projektleiter*in und in größeren Büros als Abteilungsleitung. 

💸Welches Gehalt du nach deinem Architektur-Studium erwarten kannst und wie du dieses mit relevanten Zusatzqualifikationen pushen kannst, kannst du hier nachlesen.

 

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