Arbeitsmarkt und Gehalt: Das erwartet dich nach dem Medizinstudium | Talto

Arbeitsmarkt und Gehalt: Das erwartet dich nach dem Medizinstudium

/ von Patrick Schlauer
veröffentlicht am 16. Oktober 2020
Studium
Studium

Rund 13.000 angehende Studierende pilgern jährlich zum Medizin-Aufnahmetest (MedAT) und hoffen, ihren Traum vom Medizinstudium wahrmachen zu können. Doch ist dieser Andrang überhaupt gerechtfertigt? In unserem Talto-Chancen-Check erfährst du, wie hoch die Jobchancen für ausgebildete Mediziner*innen in Österreich wirklich sind. Außerdem zeigen wir dir, wie es mit den Verdienstmöglichkeiten im Medizinbereich aussieht.

Kaum einer Berufsgruppe wird so sehr vertraut wie den Ärzt*innen. 86 % gaben bei einer Statista-Umfrage an, den Ärzt*innen in Österreich zu vertrauen. Nur Apotheker*innen (88 %) und Feuerwehrleute (93 %) genießen noch höheres Vertrauen. Ob das mit ein Grund dafür ist, dass es in Österreich mehr Ärzt*innen gibt als in anderen OECD-Ländern, kann nicht sicher gesagt werden. Eine Studie zeigt, dass es in Österreich mehr Ärzte pro 1.000 Einwohner*innen (5,2) gibt als im OECD-Schnitt (3,5). Auch bei den Absolvent*innenzahlen liegt Österreich im vorderen Feld. 14,4 Medizinabsolvent*innen pro 100.000 Einwohner*innen bringen die heimischen Universitäten jährlich hervor. Der OECD-Schnitt liegt hier bei 13,1. Dennoch wird in Österreich ständig von einem „Ärzt*innenmangel“ gesprochen. Wie passt das zusammen?

Ärzt*innenmangel oder nicht?

Laut der Ärztekammer ist durch falsche Zahlen, die Österreich an die OECD gemeldet hat, ein verzerrtes Bild entstanden. Bei den Ärzt*innenzahlen seien nämlich auch teilbeschäftigte und in Ausbildung befindliche Mediziner*innen eingerechnet worden, während das in anderen Ländern nicht der Fall sei. Man befinde sich lediglich im OECD-Mittelfeld und sei keineswegs vor einem Ärzt*innenmangel geschützt (Quelle: Wiener Zeitung). Dieser Ärzt*innenmangel wird in einer DACH-Studie des Berliner IGES Instituts und des Forschungsinstituts für Freie Berufe der Wirtschaftsuniversität Wien

aus dem Jahr 2019 in Zahlen gegossen. Demnach gebe es in Österreich zu wenig Ärzt*innen – sowohl im niedergelassenen Bereich als auch im Krankenhaus. Durch die anstehende Pensionierungswelle – 30 % der Ärzt*innen sind älter als 55 Jahre – soll dieser Umstand noch verschärft werden. Laut Ärztekammer liegt der jährliche Nachbesetzungsbedarf mittelfristig bei 1.450 Ärzt*innen pro Jahr. Von den rund 1.400 Absolvent*innen pro Jahr bleiben nur zwei Drittel tatsächlich in Österreich. Gerade im Bereich der niedergelassenen Ärzt*innen auf dem Land werde es in Zukunft einen Mangel geben (Quelle: APA OTS/Ärztekammer Wien). Laut der Broschüre Jobchancen Studium Medizin des AMS könnte der Mangel an Mediziner*innen zu einer verbesserten Berufseinstiegssituation und besseren Karrieremöglichkeiten führen. Detailliertere Informationen dazu findest du in der eben angesprochenen Broschüre. 

Das verdienst du als Ärzt*in in Österreich

Die schlechte Nachricht vorweg: Exakte Daten über die Einkünfte von Ärzt*innen in Österreich gibt es nicht. Das hat zum einen mit den verschiedenen Verdienstmöglichkeiten von Ärzt*innen zu tun. Sie können selbstständig (als niedergelassene Ärzt*innen) und unselbstständig (als Angestellte in einem Krankenhaus oder im öffentlichen Dienst) tätig sein – auf einige Ärzt*innen trifft beides gleichzeitig zu. Bei selbstständigen Ärzt*innen hängt der Verdienst vom Erfolg und der Art der Ordination ab (privat oder Krankenkasse). Laut AMS ist der Verdienst selbstständiger Ärzt*innen im Durchschnitt jedoch besser als die Bezahlung in Krankenhäusern. Folgende Zahlen zu den mittleren Bruttojahreseinkünften von Mediziner*innen aus dem Einkommensbericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2018 sollen dir ein wenig Orientierung geben:

  • Allgemeinmediziner*innen: 92.607 € 
  • Fachärzt*innen im Schwerpunkt selbstständige Arbeit: 126.662 €

Laut dem Rechnungshofbericht sind Frauen in dieser Branche benachteiligt. Die Einkommen der Allgemeinmedizinerinnen und Fachärztinnen mittleren Einkommen betragen weniger als die Hälfte der Einkommen der männlichen Kollegen. 

Dass die Einstiegsgehälter im Medizinbereich sehr unterschiedlich ausfallen können, zeigt auch eine Suche im AMS Berufslexikon. Demnach liegt das Bruttoeinstiegsgehalt von Allgemeinmediziner*innen zwischen 2.730 € und 3.930 € pro Monat. Das Bruttoeinstiegsgehalt von Fachärzt*innen unterscheidet sich je nach Fachgebiet.

Der Weg von ausgebildeten Mediziner*innen muss nicht zwingend in ein Krankenhaus oder eine Praxis führen, wie wir in unserem Blogpost Medizin: So könnte deine Karriere nach dem Studium aussehen gezeigt haben. Allerdings lassen sich auch über die Gehälter in anderen Berufsfeldern, die für Mediziner*innen ebenfalls in Frage kommen, keine Pauschalaussagen treffen.

 

Admin Login