Kurzarbeit: Wir beantworten für dich die 9 wichtigsten Fragen | Talto

Kurzarbeit: Wir beantworten für dich die 9 wichtigsten Fragen

/ von Karoline Wöhri
veröffentlicht am 6. April 2020
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Den Begriff Kurzarbeit hört man zurzeit in allen Medien oder ist sogar selbst davon betroffen. Damit du darüber bestens Bescheid weißt, haben wir bei der Arbeitsrechtjuristin Frau Mag. Jessica Ghahramani-Hofer nachgefragt. Sie beantwortet uns die wichtigsten Fragen zum Thema Kurzarbeit, ob auch Studierende auf Kurzarbeit gemeldet werden können und wie viel du bei Kurzarbeit verdienst.

1. Was ist Kurzarbeit überhaupt und was ist der Unterschied zur Arbeitslosigkeit / Arbeitslosengeld?

Kurzarbeit ist die vorübergehende Herabsetzung der Normalarbeitszeit und des Arbeitsentgelts wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Sie hat den Zweck, die Arbeitskosten vorübergehend zu verringern und die Beschäftigten zu halten. Der Arbeitgeber erhält vom AMS (Arbeitsmarktservice) eine Beihilfe (Ausfallstunden mal Pauschalsatz), wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Beihilfe deckt den Großteil der Mehrkosten, die durch die Nettogarantie anfallen.

Die Beschäftigten arbeiten während des Kurzarbeitszeitraums durchschnittlich mindestens 10 % und höchstens 90 % ihrer Normalarbeitszeit und bekommen dafür bis zu 90 % des Nettoentgelts, das sie vor der Kurzarbeit bezogen haben.

Kurzarbeit bedeutet, dass der Arbeitnehmer weiterhin in einem Dienstverhältnis steht und eben nicht arbeitslos ist. Auch ist das Nettoentgelt bei der Kurzarbeit wesentlich höher als das Arbeitslosengeld.

2. Wer kann auf Kurzarbeit gehen? Wie viele Stunden muss ich vorher gearbeitet haben?

Kurzarbeit ist für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möglich, und zwar unabhängig von der Staatsangehörigkeit bzw. allfälligen Bewilligungen nach dem AusländerInnenbeschäftigungsgesetz sowie unabhängig vom Beschäftigungsausmaß: Auch für Personen in Teilzeit (auch Eltern-, Alters-, Bildungs-, Pflege- und Wiedereingliederungsteilzeit) kommt Kurzarbeit in Betracht. Kurzarbeit ist nicht möglich für geringfügig Beschäftigte und freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer.

3. Kann ich Kurzarbeit auch bei einem Studentenjob oder Nebenjob annehmen?

Grundsätzlich ja, wenn es sich um ein vollversichertes Dienstverhältnis handelt - siehe vorherige Frage.

4. Wie hoch ist mein Gehalt während der Kurzarbeitszeit? 

Die Beschäftigten arbeiten während des Kurzarbeitszeitraums durchschnittlich mindestens 10 % und höchstens 90 % ihrer Normalarbeitszeit und bekommen dafür bis zu 90 % des Nettoentgelts, das sie vor der Kurzarbeit bezogen haben.

Nettoentgeltgarantie der Corona-Kurzarbeit:

  • Beschäftigte mit Bruttoentgelten unter 1.700 Euro erhalten vom Arbeitgeber ein Entgelt von 90 % des vor Kurzarbeit bezogenen Nettoentgelts
  • bei Bruttoentgelten zwischen 1.700 Euro und 2.685 Euro: 85 %
  • bei Bruttoentgelten zwischen 2.685 Euro und 5.370 Euro: 80 %

5. Kann ich während der Kurzarbeitszeit gekündigt werden? 

Personenbezogene Kündigungen sind immer möglich. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, durch Neueinstellung den Beschäftigtenstand aufrecht zu erhalten. Bei Kündigung durch den Arbeitnehmer oder bei einvernehmlicher Lösung von Dienstverhältnissen besteht für den Dienstgeber keine Verpflichtung zur Auffüllung des Beschäftigtenstandes.

6. Werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld auch gekürzt?

Nein. Diese sind stets auf Basis des Entgelts (oder Bruttolohn, je nach Kollektivvertrag) vor Kurzarbeit zu bezahlen.

7. Müssen Mitarbeiter Alturlaub abbauen, bevor sie in Kurzarbeit geschickt werden können?

Der Arbeitgeber muss sich bemühen, dass Arbeitnehmer allfällige Urlaubs- und Zeitguthaben vor oder während der Kurzarbeit verbrauchen, indem er allen Arbeitnehmern den Verbrauch anbietet. Der Urlaubsverbrauch ist also keine zwingende Voraussetzung für Kurzarbeit!

8. Wie lange kann die Kurzarbeitszeit dauern?

Die COVID-19-Kurzarbeit kann vorerst für bis zu 3 Monate abgeschlossen werden. Bei Bedarf ist eine Verlängerung um weitere 3 Monate möglich.

9. Viele Studierende haben durch die Corona-Krise ihren Studentenjob verloren. Gibt es Möglichkeiten, dass sie öffentliche Gelder als Ersatz beziehen können?

Hier gibt es die Möglichkeit Arbeitslosengeld zu beziehen, wenn ein vollversichertes Dienstverhältnis gegeben war sowie der Anspruch gegeben ist. Auch bietet die Österreichische Hochschülerinnenschaft (ÖH) zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten, um sozial bedürftige Studierende in Notlagen zu unterstützen. 

Für alle Studierende, die ÖH-Mitglied sind und sich in einer besonderen finanziellen Notlage befinden, besteht beispielsweise die Möglichkeit, alle 12 Monate eine einmalige Unterstützung aus dem Sozialfonds zu erhalten.

Mag. Jessica Ghahramani-Hofer ist Arbeitsrechtjuristin bei der Hofer Leitinger Steuerberatung GmbH und hat uns die Fragen zum Thema Kurzarbeit beantwortet. Im Steueraffe-Podcast findet ihr weitere Infos zum Thema. 

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