Jung, qualifiziert, arbeitslos: Alle Infos über Beihilfen, Krankenversicherung & Co | Talto

Jung, qualifiziert, arbeitslos: Alle Infos über Beihilfen, Krankenversicherung & Co

/ von Patrick Schlauer
veröffentlicht am 24. März 2020
Bewerbung & Jobsuche
Bewerbung & Jobsuche

Aktuelle Arbeitsmarktdaten zeigen, dass auch gut ausgebildete Personen nicht immer direkt nach Abschluss ihrer Ausbildung einen Job finden. Zusätzlich sorgt die Corona-Krise für große Unsicherheit am Arbeitsmarkt und die Lage für junge Talente spitzt sich somit weiter zu. Damit aus der psychischen Belastung in solchen Situationen nicht auch noch eine finanzielle wird, müssen einige Weichen gestellt werden. Wir haben für dich zusammengefasst, welche Möglichkeiten der finanziellen Absicherung es im Falle einer kurzfristigen Arbeitslosigkeit gibt und worauf du bei Pflichtversicherung, Familienbeihilfe & Co achten musst.

„Vielen Dank für Ihre interessante Bewerbung. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben.“ Solche Nachrichten finden sich laut aktuellen Arbeitsmarktdaten auch im Postfach von rund 24.000 Akademikerinnen und Akademikern. 6 % der österreichischen Arbeitslosen haben einen Universitätsabschluss, 0,9 % haben ihre Ausbildung an einer Fachhochschule absolviert. Diese Zahlen zeigen, dass sich die Jobsuche auch bei gut ausgebildeten Personen in die Länge ziehen kann. Aktuell verschlimmert die Corona-Krise diese Lage für junge Talente: Knapp 60 % der 380.000 Studierenden in Österreich arbeiten neben dem Studium, um sich dieses finanzieren zu können (ein Großteil davon geringfügig). Laut Schätzungen des ÖH-Vorsitzteams hat bereits ein Drittel der erwerbstätigen Studierenden ihren Job verloren und steht ab April ohne Einkommen da.

Auch wenn in solchen Situationen der Frust überwiegt, gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und einige Weichen für die Zukunft zu stellen. Die gute Nachricht: Die meisten ÖHs haben an den jeweiligen Hochschulen Sozialfonds eingerichtet, um Studierenden in solchen Notlagen zu helfen. Welche Möglichkeiten der finanziellen Absicherung es sonst noch gibt und an welche Stellen du dich im Falle einer kurzfristigen Arbeitslosigkeit wenden kannst, haben wir für dich im Folgenden kurz zusammengefasst.

Was du über Arbeitslosengeld, Beihilfen & Co wissen musst

Auch wenn du während deines Studiums mit Familien- und/oder Studienbeihilfe gut über die Runden gekommen bist, solltest du bedenken, dass diese Zahlungen mit Studienabschluss enden. Bisherige „Einnahmen“ wie Studien- und Familienbeihilfe oder Waisenpension sind nämlich an die Ausbildung gekoppelt. Wenn du unter 24 bzw. als Mann unter 25 bist, besteht theoretisch zwar noch Anspruch auf Familienbeihilfe, allerdings bekommst du das Geld nur, wenn du gerade eine Ausbildung absolvierst. 

Wenn die Jobsuche nach Ausbildungsabschluss also nicht auf Anhieb funktioniert und du kein Geld mehr durch Beihilfen bekommst, führt dich dein Weg im Normalfall zum AMS. Dort kannst du dich arbeitslos melden und hast unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dieser Anspruch hängt allerdings von deinem Alter und deinen bisherigen Beschäftigungsverhältnissen ab: Wenn du unter 25 bist, besteht der Anspruch auf Arbeitslosengeld nur, wenn im letzten Jahr insgesamt mindestens sechs Monate gearbeitet wurde. Bist du über 25, musst du in den letzten zwei Jahren insgesamt mindestens ein Jahr gearbeitet haben, um Arbeitslosengeld zu bekommen. In einigen Fällen kann dieser Zeitraum auch ausgedehnt werden, um die vorausgesetzte Arbeitszeit (zum Beispiel durch die Addition von mehreren Ferialpraktika) von einem Jahr zu erreichen. Wenn du dir unsicher bist, ob du Anspruch auf Arbeitslosengeld hast, solltest du direkt Kontakt mit dem AMS aufnehmen.

Falls sich deine finanzielle Situation durch die andauernde Jobsuche zuspitzen sollte, gibt es mit der bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS) bzw. Sozialhilfe (aktuell existieren in Österreich noch beide Formen) eine letzte Absicherung. Anspruchsberechtigt sind Personen, die ihren Lebensunterhalts- und Wohnbedarf nicht mehr selbst oder mit der Hilfe von Dritten finanzieren können. Genauere Informationen über Anspruchsvoraussetzungen und Höhe bekommst du bei den Bezirkshauptmannschaften oder dem Sozialamt der jeweiligen Heimatstadt.

Die Krankenversicherung

Während deiner andauernden Jobsuche musst du dir nicht nur Gedanken über eine finanzielle Absicherung, sondern auch über die Krankenversicherung machen. Grundsätzlich bestehen dafür drei Möglichkeiten: eine Mitversicherung bei den Eltern, eine Selbstversicherung oder eine Versicherung, die du aufgrund von AMS- bzw. BMS-Bezügen erhältst. Allerdings kommen nicht für jede Person alle drei Möglichkeiten in Frage.

Die Mitversicherung bei den Eltern ist nur möglich, wenn du unter 27 bist und ernsthaft ein Studium oder eine Berufsausbildung betreibst (wie bei der Familienbeihilfe werden Leistungsnachweise verlangt). In jedem Fall besteht die Möglichkeit einer Selbstversicherung, allerdings fallen dadurch monatliche Kosten (in der Regel 440 €) an. Wenn du Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung/Sozialhilfe hast, wirst du von den zuständigen Stellen krankenversichert und musst dich nicht selbst darum kümmern. 

Sozialfonds und Spenden an Hochschulen

Die meisten Hochschülerschaften haben an den jeweiligen Hochschulen Sozialfonds eingerichtet, um Studierenden in Notlagen zu helfen. Teilweise wurden diese aufgrund der derzeitigen Corona-Krise extra aufgestockt. Einige Hochschülerschaften haben bereits zu Spenden für die betroffenen Studierenden aufgerufen und auch die Bundesvertretung arbeitet daran, ihren Sozialfonds für betroffene Studierende zu erweitern.

Zuerst solltest du bei der lokalen Hochschulvertretung um Unterstützung anfragen. Wenn dort alle Mittel ausgeschöpft sind, kannst du laut der ÖH einen Antrag auf Unterstützung bei der ÖH-Bundesvertretung stellen. Die maximale Förderung beträgt 750 € und steht jenen Studierenden zu, die im Sinne der Richtlinien sozial bedürftig sind, nicht bei den Eltern wohnen, keine Studienbeihilfe beziehen und einen "ausreichenden Studienerfolg" nachweisen. Letzteres bedeutet, dass du in den vergangenen beiden Semestern insgesamt 16 ECTS-Punkte erfolgreich erbracht haben musst oder in Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemester studiert hast.

 

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