Kollektivverträge: Ein Überblick | Talto

Kollektivverträge: Ein Überblick

/ von Claudia Schröder
veröffentlicht am 30. Juli 2020
Arbeitsleben & Trends
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Wenn alljährlich neue Kollektivverträge ausgehandelt werden, berichten die Medien fleißig darüber. Und doch ist das Thema für viele ein eher undurchschaubares Gebiet, zumal es auch über 800 verschiedene KVs in Österreich gibt. Was genau sind eigentlich Kollektivverträge? Welchen Zweck haben sie? Hier gibt’s den Überblick.

Kollektivverträge werden zwischen der österreichischen Wirtschaftskammer oder einem freiwilligen Arbeitgeber*innenverband und den Gewerkschaftsbünden für Arbeitnehmer*innen abgeschlossen. In den Kollektivverträgen werden alle Rechte und Pflichten geregelt, die nicht schon im Gesetz festgehalten worden sind. Obwohl ein Kollektivvertrag natürlich nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen darf, ist es für Arbeitnehmer*innen trotzdem eine Chance bessere Konditionen auszuhandeln als das Gesetz vorschreibt. Verhandelt werden diese Konditionen meistens von den Betriebsrät*innen. Die KVs gelten in Österreich übrigens für alle Arbeitnehmer*innen, nicht nur für Mitglieder*innen der Gewerkschaften. 

Die wichtigsten Inhalte eines Kollektivvertrages sind:

  • Arbeitszeitregelungen und Entlohnung
  • Zuschläge für Überstunden, die Arbeit an Feiertagen, Dienstreisen, Schichtarbeit oder Gefahrenzuschläge
  • Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtgelder
  • Regelungen für Freizeitansprüche bei Todesfällen, Übersiedlungen oder Geburten. 

KV vs. Arbeitsvertrag

Der Arbeitsvertrag regelt wichtige Eckdaten wie Arbeitszeit und Überstundenregelungen, Pflichten oder das Gehalt für die/den individuellen Arbeitnehmer*in. Er ist also nur für dich persönlich gültig. Die Kollektivverträge stehen in der Hierarchie darüber. Ein Arbeitsvertrag darf natürlich bessere Konditionen anbieten als der KV aber niemals schlechtere. Deshalb ist es sinnvoll sich den gültigen Kollektivvertrag anzusehen und mögliche Ungereimtheiten mit dem individuellen Arbeitsvertrag abzugleichen. Welcher Kollektivvertrag für einen selbst gültig ist, steht auf dem Dienstzettel oder dem Arbeitsvertrag und die KVs müssen im Unternehmen für alle Arbeitnehmer*innen zur Einsichtnahme zugänglich sein. Die österreichische Wirtschaftskammer bietet auch ein Onlinetool an, mit dem man sich die Kollektivverträge der verschiedenen Branchen direkt ansehen kann. 

Die Artenvielfalt der KVs

Wie bereits erwähnt, gibt es eine große Vielfalt an Kollektivverträgen und es gibt zum Teil große Unterschiede zwischen diesen. Ein Grund für diese Unterschiede ist, dass sich Gewerkschaften mit einer größeren Anzahl an Mitglieder*innen automatisch in einer besseren Verhandlungsposition befinden und so bessere Konditionen erzielen können. Die Verhandlungen der Metallindustrie sind jedes Jahr wieder ein Thema von großem medialem Interesse, was daran liegt, dass dort eine besonders starke Gewerkschaft vorhanden ist. Andere stark nachgefragte Kollektivverträge sind z.B. Baugewerbe, Hotelgewerbe oder IT.

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Für die jährlichen Verhandlungen der KVs sammeln die Betriebsrät*innen für gewöhnlich Vorschläge und Anregungen in den Betrieben, um ihre Forderungen für die Verhandlungen zu formulieren. Außerdem fließen die Erkenntnisse von Branchenanalysen, die zur Abschätzung der wirtschaftlichen Lage dienen, mit ein. Das ist besonders dann wichtig, wenn Gehaltserhöhungen verhandelt werden sollen. All diese Forderungen werden in einem Forderungsprogramm zusammengefasst.

Die Kollektivverträge sind also primär zum Schutz der Arbeitnehmer*innen gedacht, um faire Arbeitsbedingungen und regelmäßige Einkommenserhöhungen zu gewährleisten. So sind 98 % der Arbeitnehmer*innen in Österreich abgesichert. Wenn du mit deinem zukünftigen Job zu diesen 98 % gehörst, hast du jetzt also hoffentlich einen Überblick über die wichtigsten Infos. Und wenn du gerade auf der Suche bist, dann wirf am besten gleich einen Blick auf unsere Jobplattform.

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