Corporate Publishing: Job-Alternative zum Journalismus? | Talto

Corporate Publishing: Job-Alternative zum Journalismus?

/ von Jessica Braunegger
veröffentlicht am 5. November 2020
Arbeitsleben & Trends
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Hoher Konkurrenzdruck, niedrige Gehälter, Festanstellungen als Mangelware: Wer im Journalismus Fuß fassen möchte, hat es nicht immer leicht. Sich komplett Richtung PR und Marketing zu orientieren, ist aber auch nicht die optimale Lösung für alle. Als guter Mittelweg wird oft Corporate Publishing präsentiert. Wir haben uns angeschaut, was die Tätigkeiten in diesem Bereich sind und ob die Jobchancen wirklich besser sind als im klassischen Journalismus.

Spätestens beim Eintritt ins Berufsleben stellen viele Journalismus-, Publizistik- und Germanistik-Absolvent*innen fest: Die Jobaussichten im Journalismus sind nicht ganz so rosig, wie man es sich zu Beginn des Studiums ausgemalt hat. Beim Umschauen nach einer Alternative stößt man recht schnell auf den Bereich Corporate Publishing. Aber was ist das überhaupt?

Corporate Publishing wird oft mit Content Marketing in einem Atemzug genannt bzw. teilweise sogar gleichgesetzt. 2015 benannte sich das Forum Corporate Publishing, laut eigenen Angaben Europas größter Branchenverband für diesen Bereich, in Content Marketing Forum (CMF) um. Obwohl sich die beiden Begriffe sehr nahestehen, sind sie trotzdem nicht ganz deckungsgleich. Dem österreichischen Kommunikationsexperten Konrad Fux zufolge liegt der Unterschied in den Kommunikationszielen. Während sich Content Marketing, wie der Begriff „Marketing“ vermuten lässt, stärker am Vertrieb orientiert, hält sich Corporate Publishing eher an journalistische Arbeitsweisen.

Das heurige Investitionsvolumen in Content Marketing im DACH-Raum liegt bei geschätzten 9,4 Milliarden Euro.

Was sind die Tätigkeiten im Corporate Publishing?

Corporate Publishing klingt, als würde es hauptsächlich um Texterstellung für Print und online gehen, dabei ist das Tätigkeitsfeld viel breiter. Auch Videobeiträge, Podcasts oder Radiobeiträge können zu diesem Bereich zählen. Zentral ist, wie oben bereits angesprochen, eine journalistische Arbeitsweise bei der Content-Produktion. Deshalb haben auch viele Angestellte im Corporate Publishing einen journalistischen Hintergrund.

Wie auch im Journalismus ist es vorteilhaft, wenn man zusätzlich zum Handwerk über fachspezifisches Wissen verfügt. Ein Ausschlusskriterium für eine Anstellung ist es aber nicht, weil Redakteur*innen ohnehin immer in der Lage sein sollten, Themen zu erarbeiten, die neu für sie sind.

Ein Beispiel für das breite Aufgabengebiet sind die Corporate-Publishing-Aktivitäten der REWE International AG. Das eigens gegründete Verlagshaus RG Verlag produziert diverse Magazine der REWE-Gruppe, darunter „Maxima“ für BIPA oder „Frisch gekocht“ für BILLA. Maxima ist laut Media Analyse 2018/19 sogar das reichweitenstärkste Frauenmagazin Österreichs. Mit Radio Max schuf der RG Verlag auch einen eigenen Radiosender, der Filialen der REWE-Gruppe bespielt, wie es ansonsten „klassische“ Radiosender tun.

Wie sehen die Jobchancen aus?

Statistiken zeigen, dass die Branche in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Branchenexpert*innen deuten das als Trend, der sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Laut einer gemeinsamen Untersuchung von Statista und dem CMF liegt das heurige Investitionsvolumen in Content Marketing im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei geschätzten 9,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2018 ist das eine Steigerung von 17 Prozent.

Mit dem Wachsen der gesamten Branche steigt auch der Bedarf an Personal, das den Content produziert. An eine Festanstellung kommt man hier also leichter als im herkömmlichen Journalismus. Hier ist es oft üblich, dass freie Redakteur*innen jahrelang unter prekären Verhältnissen arbeiten müssen, bevor sie von einem Medium angestellt werden. Hinzu kommt, dass viele traditionelle Medien- und Verlagshäuser mittlerweile ihr Angebot mit Corporate Publishing erweitert haben.

Was verdienen Corporate-Publishing-Redakteur*innen?

Hier kommt es immer darauf an, in welchem Kollektivvertrag man angestellt ist. Mittlerweile arbeiten sehr viele Unternehmen daran, Corporate-Publishing-Dienstleistungen inhouse durchzuführen. In dem Fall kann es sein, dass du im Kollektivvertrag der Branche des jeweiligen Unternehmens landest. Wenn du zum Beispiel für ein Elektrotechnikunternehmen arbeitest, das ein Magazin herausgibt, bekommst du einen Elektrotechnik-Kollektivvertrag. Der ist grundsätzlich viel besser bezahlt als ein Journalismus- oder Marketingkollektivvertrag. Umgekehrt kann es dann natürlich sein, dass der Kollektivvertrag der jeweiligen Branche für dich ungünstiger ausfällt.

Ist Corporate Publishing eine gute Alternative zum Journalismus?

Je nachdem, was du suchst. Für alle, denen es um finanzielle Sicherheit geht, ist Corporate Publishing eine attraktive Alternative zum klassischen Journalismus. Auch das Tätigkeitsfeld ist sehr breit und abwechslungsreich. Behalte aber im Hinterkopf, dass du dabei immer in Abhängigkeit von Unternehmen stehst – kritische Reportagen, die fragwürdige Praktiken im Unternehmen kritisieren, wirst du hier eher nicht schreiben. Wenn es dir wichtig ist, kritisch-investigativ zu arbeiten und Missstände aufzuzeigen, bist du vielleicht doch eher im Journalismus daheim.

Corporate Publishing ist dir nun ein Begriff, allerdings möchtest du Vergleiche zum klassischen Journalismus ziehen? Dann darfst du diesen Blogartikel nicht verpassen.

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